"Wir glauben an uns"

In den kommenden Tagen geht es für Österreichs Fußballer in der Nations League um Sein oder Nichtsein. Dabei kann Teamchef Franco Foda wieder auf David Alaba zurückgreifen, der trotz seiner 26 Jahre bereits zu den Urgesteinen des FC Bayern München zählt.

Die EURO 2020 findet in 13 Ländern des Kontinents statt. Drei Gruppenspiele plus ein Viertelfinale steigen in München. Für dich persönlich könnte es also ein Turnier mit „Heimvorteil“ werden. Wie groß ist die Motivation da dabei zu sein?

Alaba: Klar möchte ich unbedingt mit Österreich  bei so einem Top-Turnier dabei sein, entsprechend groß ist auch die Motivation. Und wenn ich dann tatsächlich mit der österreichischen Nationalmannschaft ein Spiel in München in der Allianz Arena hätte, quasi in meinem Wohnzimmer, wäre das natürlich großartig.

FIFA-Präsident Infantino will die Klub-WM zu einem größeren Turnier ausbauen, es gibt auch Pläne für eine FIFA-Nations-League. Wie viele Spiele kann ein Profi im Jahr auf hohem Niveau bestreiten, wo liegt die Belastungsgrenze?

Alaba: Mit der Bundesliga, dem DFB-Pokal, der Champions League und den ganzen Länderspielen haben wir jetzt schon sehr, sehr viel Spiele in sehr intensiven Wettbewerben. Momentan ist es so, dass wir nahezu alle drei Tage spielen und die Belastungsgrenze enorm hoch ist. Wie das künftig aussehen wird, bleibt abzuwarten. Bis dato sind es ja nur Pläne und Ideen, aber noch keine fixen Beschlüsse.

Du hast mit 26 Jahren schon 64 Länderspiele absolviert. ÖFB-Rekordspieler Andreas Herzog hatte in deinem Alter rund 20 Spiele weniger – ist die Mitgliedschaft im 100er-Klub ein Ziel für dich?

Alaba: Klar wäre es schön eines Tages die 100er-Marke zu knacken, aber im Moment mache ich mir darüber keinerlei Gedanken. Mein Fokus mit der Nationalmannschaft liegt aktuell auf der Nations League und der Qualifikation für die Europameisterschaft, die wir unbedingt schaffen wollen. Das ist derzeit mein persönliches Ziel.

Als du im September verletzt ausgefallen bist und auch dein Backup Rafinha nicht zur Verfügung stand, hatte Bayern kurzfristig keinen Linksverteidiger mehr als Ersatz. Was macht deine Position so speziell, warum sind anscheinend generell flinke Außenverteidiger eher Mangelware?

Fotocredit Stefan Bösl

Alaba: Es stimmt schon, dass es im Weltfußball aktuell vielleicht nicht allzu viele Top-Verteidiger auf der linken Seite gibt, aber warum das so ist, kann ich nicht beurteilen.

Mit Ribery, Robben und Müller sind nur drei Spieler des aktuellen Bayern-Kaders länger beim Klub als du. Was macht den Verein so speziell und ist es vorstellbar, dass du über deinen bis 2021 laufenden Vertrag hinaus als Führungsspieler in München bleibst und deine Karriere dort beendest?

Alaba: Ich bin seit über zehn Jahren bei den Bayern und fühle mich hier sehr, sehr wohl. München ist zu meiner zweiten Heimat geworden, der Klub zu meiner zweiten Familie. Ich durfte bereits viele schöne Momente mit dem FC Bayern erleben und hoffe natürlich, dass noch möglichst viele dazu kommen. Aber ich bin generell kein Spieler, der allzu weit vorausschaut, ich setze mir meine Ziele erst einmal für die nähere Zukunft.  

Auch in der Nationalelf steht über kurz oder lang ein Umbau bevor. Junge Wilde wie Wöber, Posch und Schaub stehen schon parat. Dahinter gelten Thierno Ballo (16) und Romano Schmid (18) als Rohdiamanten. Wie stufst du das Potenzial der kommenden rot-weiß-roten Generation ein?

Alaba: Es ist kein Geheimnis, dass die Nachwuchsarbeit im österreichischen Fußball eine sehr gute ist. Ich persönlich durfte von der Jugendakademie von Austria Wien einiges mitnehmen, ich habe dort sehr viel gelernt. Wir haben aktuell einige sehr gute, junge Spieler in den Reihen der Nationalmannschaft, auch in der kommenden Generation steckt jede Menge Potential. Die Ausgangsposition ist auf jeden Fall sehr positiv.

Du hattest mit van Gaal, Heynckes, Guardiola, Ancelotti schon sehr namhafte Lehrmeister, spielst aktuell mit Niko Kovac unter einem sehr ambitionierten jungen Trainer. Kannst du dir eine Zukunft in der Coachingzone vorstellen?

Alaba: Wie gesagt, ich bin ein Spieler der sich mit der Gegenwart und unmittelbaren Zukunft beschäftigt. Ich bin jetzt 26 Jahre alt, was nach meiner Karriere sein wird ist rein spekulativ, darüber kann ich heute definitiv noch nichts sagen. 

Österreich bestreitet kommende Woche in der Nations-League die „Endspiele“ gegen Bosnien und Nordirland. Was spricht für das ÖFB-Team?

Alaba: Wir haben eine sehr gute Mannschaft, die viel Potenzial hat und hungrig ist, die Ziele zu erreichen. Diese Energie wollen wir jetzt in die kommenden Länderspiele mitnehmen und gegen beide Teams gewinnen. Wir glauben an uns, sind selbstbewusst und müssen uns vor Bosnien und Nordirland sicher nicht verstecken.   

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