Vielleicht schwingt auch eine Spur zu viel Patriotismus mit

Kein österreichischer Skispringer hat mehr WM-Gold geschürft als Thomas Morgenstern. Dem achtfachen Weltmeister geht beim Stichwort Seefeld das Herz auf, dem ÖSV-Team traut der Überflieger bei den Titelkämpfen in der Heimat fünf Medaillen zu.

Thomas, die Skisprung-Fans dürfen sich auf ein dichtes Programm in Seefeld und Innsbruck freuen, gleich am Samstag gibt es mit der Medaillenvergabe der Herren am Bergisel den ersten Leckerbissen zu verkosten. Die Liste der Medaillenkandidaten ist lang, gibt es einen Favoritensieg oder rechnest du mit Überraschungen?
In einem Freiluftsport kann man nie etwas ausschließen, aber ich denke schon, dass sich einer der Favoriten durchsetzen wird. Es wird darauf ankommen wer nach der schon langen Saison noch die Extrakörner hat. Die Weltmeisterschaft wird intensiv, da entscheidet auch die körperliche Fitness. Die große Dichte macht Prognosen schwierig, aber ein paar Namen drängen sich natürlich auf. Ryoyu Kobayashi beispielsweise, der sein kleines Zwischentief rechtzeitig überwunden hat oder Evergreen Kamil Stoch, der neben einer Top-Form auch die notwendige Erfahrung mit einbringt. Seine Landsleute Piotr Zyla und Dawid Kubacki, muss man auch am Zettel haben. Gespannt bin ich auf die Deutschen, allen voran auf Karl Geiger und natürlich glaube ich fest an unsere Jungs. 

Das letzte Springen vor der WM verlief aus ÖSV-Sicht nicht wirklich nach Wunsch, ist der Glaube nicht eher ein frommer Wunsch?
Nein, absolut nicht! Stefan Kraft war beim letzten Kräftemessen am Bergisel hinter Ryoyu Zweiter und geht als Titelverteidiger in die Spur. Auch wenn es zuletzt in Willingen nicht nach Wunsch gelaufen ist, hat er auch in dieser Saison seine absolute Weltklasse mehrfach unterstrichen. Die Stimmung im Hexenkessel wird unter Garantie der Wahnsinn und speziell unsere Springer voll pushen, davon bin ich felsenfest überzeugt.

Für die Damen steht erstmals bei der Weltmeisterschaft ein Team-Springen auf dem Programm.
Gut so, damit haben wir eine spannende Entscheidung mehr und bekanntermaßen sind wir ja in der Mannschaft sehr gut aufgestellt. Das gilt für beide Geschlechter, schließlich haben die Herren den letzten Team-Bewerb in Lathi gewonnen und unsere Damen in Zao (JPN) hinter den deutschen Mädels Rang zwei geholt.

Olympiasiegerin Maren Lundby hat zuletzt in Oberstdorf das Double geholt und damit neun Saisonsiege auf ihrem Konto, wer kann ihr gefährlich werden?
Sie geht als große Favoritin in die Titelkämpfe, keine Frage, aber leicht wird es auch für sie nicht. Dafür werden sicherlich Sara Takanashi, die Deutschen und hoffentlich auch unsere Damen sorgen. Für Daniela sind die letzten Wochen aufgrund der Lungen-Entzündung zwar saublöd gelaufen, sie kann das mit ihrer Routine aber hoffentlich ausgleichen.

Wie siehst du das Kräfteverhältnis auf der Normalschanze, wie beurteilst du die Charakteristik der Anlage, wem kommt die Schanze in Seefeld am meisten entgegen?
Die Schanze zu beurteilen ist schwierig, da ich sie selber nie gesprungen bin. Es ist eine etwas größere Neunziger und sollte auch aufgrund der Rückenwind-Lastigkeit vor allem den absprungstarken Springer entgegen kommen. Wie etwa Dawid Kubacki, der eine sehr hohe Flugkurve hat, oder Richard Freitag. Und die üblichen Verdächtigen muss man sowieso am Schirm haben. Die die in Top-Form sind, kommen mit jeder Anlage klar.

Insgesamt stehen sechs Skisprung-Bewerbe auf dem Programm, damit stehen 18 Medaillen auf dem Spiel. Wie viele davon bleiben in Österreich?
Ich bin optimistisch und sage fünf Medaillen. Das mag ein kühner Tipp sein, vielleicht schwingt auch eine Spur zu viel Patriotismus mit (lacht). Aber wenn die Mannschaft ihr Potential ausschöpft und sich vom Heimvorteil tragen lässt, ist das definitiv drinnen. 

 

Programm Sprungbewerbe:

23.02.  Herren/Großschanze
24.02.  Herren/Team-Springen/Großschanze
26.02. Damen/Team-Springen/Normalschanze
27.02.  Damen/Normalschanze
01.03. Herren/Normalschanze
02.03. Mixed/Normalschanze

Fotocredit: GEPA pictures