Überwindung gehört natürlich dazu

Innovative Playgrounds, eine spektakuläre Kulisse und die Extraportion Charme bescheren den Audi Nines alljährlich hochkarätige Gäste und atemberaubende Folgen. Nach 10 erfolgreichen Jahren wird das Freestyle Event erstmalig auch in der Audi Destination Obergurgl ausgetragen. Dabei liegt der Fokus auf den Damen. Big-Air-Olympiasiegerin Anna Gasser spricht vor ihrer Premiere über das Berufsrisiko, ihre Erwartungen, die Vorreiterrolle und den persönlichen Sommerfahrplan.

Anna, du hast verletzungsbedingt auf die Weltmeisterschaft in Park City, Anfang März, verzichten müssen - wie steht es um deine aktuelle Fitness, wie viel Energie steckt wieder in dir?
Mittlerweile bin ich wieder fit und total glücklich, dass ich nach fast zwei Monaten Pause endlich wieder auf dem Snowboard stehe. Ich habe fleißig mein Reha-Programm durchgezogen und die Zeit gut genutzt. Jetzt kann ich endlich wieder das tun, was ich am meisten liebe. 

Die Audi Nines gehen in ihr elftes Jahr, für dich wird es die Premiere – was weißt du über den Event, was erzählt man sich in der Szene und worauf freust du dich besonders?
Ich freu mich riesig darauf, Audi Nines ist bekannt für spektakuläre Features. Es ist auch sehr cool, dass es kein Contest im klassischen Sinne ist, wir haben die ganze Woche Zeit, um das Setup kennenzulernen. Ich freu mich auf die anderen Ladies, es ist immer cool, wenn wir gemeinsam Zeit verbringen und uns gegenseitig pushen. Nine Queens damals – den Vorgänger-Event – habe ich 2016 schon einmal gewonnen.

In den letzten Jahren hast du an jedem wichtigen Contest deiner Sportart teilgenommen. Von den X-Games über die Dew Tour bis hin zu den Olympischen Spielen. Gibt es Elemente beim Audi Nines, die du gerne auf andere, große Events übertragen würdest?
Man kann das nicht wirklich vergleichen, da es ein komplett anderer Ansatz ist. Jeder Contest hat seine Berechtigung. Beim Audi Nines verspürt man aber sicherlich weniger Druck als bei den X-Games oder einem anderen Slopestyle Bewerb. 

Als Snowboarderin im Park setzt man sich normalerweise eher weniger mit dem Shapen von Obstacles auseinander. Wird das eine große Herausforderung?
Nein, wird es nicht, im Gegenteil. Ich find’s toll, dass wir so viel Mitspracherecht bei den Features haben.

Der Kurs für die Frauen - und damit auch die Auswahl der Features -  ist getrennt vom dem der Männer. Während die Damen in Obergurgl ihr Können unter Beweis stellen, liegt der Fokus in Sölden auf den Herren. Findest du das gut oder schlecht?
In erster Linie find ich es gut, weil es mittlerweile schon eine große Anzahl von Fahrern ist. Das macht die ganze Sache etwas entspannter für alle Mädels.

The Audi Nines 2018, Fotocredits: D. Malacrida

Mit 8 Olympiasiegern, 21 Weltmeistern und 39 X-Games-Champions ist das Beste vom Besten am Start – welche Ziele setzt du dir in Anbetracht der spektakulären Besetzung?
Ich will natürlich zeigen, was ich drauf habe und Frauen-Snowboarden wieder ein Stück weit nach vorne bringen. Nachdem ich die letzten zwei Monate pausieren musste, bin ich gespannt, was die anderen Mädels so zeigen werden. Ich werde wie immer mein Bestes geben. 

Dein Freund Clemens Millauer hat im Vorjahr den Snowboard-Bewerb (Big Air) der Männer für sich entschieden, welche Tipps kann er dir geben?
Mit Clemens fahre ich generell am liebsten, da wir uns gegenseitig super unterstützen und pushen. Seine Ratschläge hör ich mir immer an.

Du trainierst generell lieber mit Männern. Warum ist das so?
Ich bin nun mal meistens mit Clemens und den Jungs am Berg. Das ist einfach meine Shred-Crew und die motiviert mich auch. Das heißt aber nicht, dass ich mit den Mädels nicht gerne zusammen im Park fahre, auch das ist cool, nur die Gelegenheiten ergeben sich nicht ganz so oft.

Du stehst noch keine 10 Jahre auf dem Snowboard und hast trotzdem alles gewonnen, was man gewinnen kann. Was ist dein Erfolgsrezept?
Ich hab zwar das Snowboarden erst spät für mich entdeckt, aber sofort gewusst, dass dies mein Sport ist. Und dann hab ich mich wirklich darauf konzentriert und bin auch gleich für eine Saison in die USA gegangen, um mein Riding zu verbessern. Ich wollte dort fahren, wo ich die ganze Saison über beste Bedingungen vorfinde. Mein Erfolgsrezept ist, an sich selber zu glauben und hart an seinen Zielen zu arbeiten.

Deine Präsenz hat Freestlye-Snowboarden in der öffentlichen Wahrnehmung extrem gesteigert. Du bist sogar zur Sportlerin des Jahres gewählt worden. Bist du dir deiner Vorreiterrolle bewusst?
Ja, schon. Und ich finde es toll, dass der Snowboardsport so auch mehr Beachtung findet. Ich versuche, Frauen weltweit zu inspirieren und ihnen zu zeigen, dass auch Mädels in unserem Sport so einiges erreichen können. 

Ihr startet am Mittwoch in Obergurgl mit einer Night-Session, die Fortsetzung folgt dann während des Tages in Sölden. Wo fühlst du dich wohler, im Scheinwerferlicht oder bei Sonnenschein?
Ich mag beides, aber Night-Sessions sind sicherlich ein wenig mehr Herausforderung.

Du hast als erste Frau einen Cab Triple 1260 gestanden, ein Sprung der ebenso spektakulär wie riskant ist – wie viel Überwindung gehört bei deinem Job dazu und lässt sich das Thema Angst komplett ausblenden?
Ein Risiko ist immer dabei und Überwindung gehört natürlich dazu. Gerade diesen Trick hatte ich mir schon lange vorher vorgenommen und schon hunderte Mal im Kopf durchgespielt. Die Bewegungsabfolge hatte ich schon total verinnerlicht. An dem Tag hat einfach alles zusammengespielt, das Wetter, der Jump, meine Verfassung. Mein Bauchgefühl hat den Ausschlag gegeben. Angst an sich hab ich nicht, aber wie gesagt, man ist sich bewusst, dass bei einer falschen Bewegung auch viel schiefgehen kann.

Hast du mit deiner Vergangenheit als Turnerin gewisse Vorteile, was das Lernen von neuen Tricks angeht?
Ich habe mit Sicherheit Vorteile in der Luft, da ich durchs Turnen ein Gefühl dafür bekommen habe, in der Luft zu sein und vor allem auch ein gutes Gefühl für meinen Körper. 

Ein kurzer Blick in Richtung Sommer: was passiert in den kommenden Monaten, wie viel Auszeit gönnst du dir und wie lautet dein Rezept für die optimale Erholung?
Die Saison ist noch nicht ganz zu Ende und auch im Sommer werde ich versuchen, so viel wie möglich am Snowboard zu stehen. Ich habe ja diesen Winter durch die Verletzung doch viel Zeit am Berg aufzuholen. Aber natürlich freu ich mich schon auf entspannte Tage daheim am Millstätter See mit Freunden und Familie.