Volle Kraft voraus

Er sieht in seinem Handeln ein hohes Suchtpotential und spricht von einem Privileg, da er macht, was nicht jeder kann. Wer die Faszination Skispringen begreifen möchte, dem rät Stefan Kraft kurzerhand zu einem Selbstversuch.

Vier WM-Medaillen, davon zwei aus Gold, Doppel-Kristall für die Gesamtweltcupsiege im Skispringen und –fliegen und zum Drüberstreuen mit sagenhaften 253,5m einen neuen Skiflugweltrekord aufgestellt – das nennt man dann wohl eine Traumbilanz und Hammer-Saison. Keine Frage, Stefan Kraft ist angekommen. Nicht zufällig, sondern hart erarbeitet. Mit Ansage und um zu bleiben.

SPÄTZÜNDER UND EHER DER RACER

Sein erster Sprung passierte auf Alpin-Ski, die Weite wird nicht gewaltig gewesen sein, aber das Erlebte hat völlig ausgereicht um Feuer zu fangen.„Als ich unten ankam, wusste ich, das möchte ich nochmal machen“, erinnert sich Kraft, der mit zehn Jahren ins Training einstieg, als Spätzünder galt und sich  rasch den Ruf eines Ausnahmetalents erarbeitet.

Über die Jugend- und Juniorenbewerbe kontinuierlich aufgebaut, zelebrierte der Salzburger beim Tournee-Finale 2012 in Bischofshofen sein Weltcupdebüt. Der Skisprung-Klassiker und seine Heimschanze erwiesen sich in Folge als steile Karriereleiter –genau ein Jahr nach seinem Debüt sprang Kraft auf der Paul-Außerleitner-Schanze erstmals aufs Weltcup-Podest, zum Auftakt der Vierschanzen-Tournee 2014/15 stand er in Oberstdorf erstmals am obersten Treppchen. Acht Tage nach seinem ersten Weltcupsieg und exakt drei Jahre nach dem Debüt in der Elite-Klasse schloss sich der Kreis endgültig. Stefan Kraft jubelte im Auslauf von Bischofshofen, stemmte den goldenen Adler für den Gesamtsieg der Vierschanzen-Tournee in die Höhe und ließ sich feiern. Das Land hatte einen neuen Hero, die Schlagzeilen überschlugen sich und Kraft, von einer Welle an Begeisterung getragen, blieb cool und geerdet. „Ich bin dank eines systematischen Coachings trotz des Spitzensports und des Erfolgs geblieben was ich bin, ein ganz normaler Bua aus dem Salzburger Land, dem die Familie und seine Freunde wichtig sind und der gerne in der Natur ist.“ Daran hat auch der imposante Höhenflug im vergangenen Winter nichts geändert. Kraft ist Kraft geblieben. Er weiß zu schätzen was er hat und ist, weiß wie es funktioniert und fiebert seiner nächsten Premiere entgegen. „Es steht alles wieder auf null. Von den Erfolgen aus dem letzten Jahr kann ich mir nichts kaufen. Das heißt, wieder voll fokussiert arbeiten. Ich war noch nie bei Olympischen Spielen. Ich möchte dort unbedingt hin und auch eine Medaille mit nachhause nehmen. Insofern ist da genügend Motivation, um wieder alles zu geben.“ Der 24Jährige, der sich als Frohnatur und Wettkampftyp beschreibt und damit den Nagel voll auf den Kopf trifft, stuft sich fahrerisch eher als Racer ein und sieht sich nicht wirklich als Autofreak. „Ich weiß gar nicht, ob ich ein spezielles Auto als Traumauto bezeichnen würde. Ich muss aber schon sagen, dass ich mich über den S5, den ich von Audi als neuen Dienstwagen erhalten habe, sehr gefreut habe. Das ist einfach ein Wahnsinnsauto.“