Showdown in Europa

Sechs Läufe, sechs verschiedene Sieger aus sechs unterschiedlichen Teams – die Formel E wird dank zahlreicher Neuerungen zu einer noch attraktiveren Wundertüte. Mittendrin im Kampf um die Spitzenplätze: das Team Audi Sport ABT Schaeffler mit Lucas di Grassi und Daniel Abt im Cockpit. Die zweite Saisonhälfte startet am 13. April in Rom durch.

Nach Auftritten in Asien, dem Nahen Osten, Afrika sowie Süd- und Mittelamerika stehen nun fünf Stopps in Europa im Kalender der Elektrorennserie. Den Anfang macht das Rad an Rad-Duell  in der „Ewigen Stadt“, anschließend wird in Paris, Monaco, Berlin und Bern gefahren, ehe der Tross zum großen Finale nach New York abbiegt. Wer die Meisterschaft Mitte Juli im Big Apple für sich entscheidet, lässt sich nach dem Stand der Dinge auch nicht mit viel Fantasie erahnen. Die Top Sechs trennen gerade einmal zehn Punkte, in der Konstrukteurs-Wertung liegen die ersten vier Teams innerhalb von zwei Zählern.

Wie viel Dramatik und Emotion in der Elektrorennserie steckt, wurde zuletzt auch in China ersichtlich. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison musste ein Rennen zwischendurch abgebrochen werden, speziell gegen Ende gingen mit einigen Fahrern die Pferde durch. Während Titelverteidiger Jean-Eric Vergne über seinen ersten Saisonsieg jubelte, bilanzierten die Audi Piloten mit gemischten Gefühlen. Daniel Abt kämpfte von Startplatz vier aus in der Spitzengruppe um die Podiumsplätze, ehe das Saftey Car auf die Strecke kam und die Rote Flagge das kluge Energiemanagement von Audi mit einem Schlag zu Nichte machte. Der Neustart hatte ein Vollgas Finale zu Folge, die Restenergie spielte kaum eine Rolle mehr.

Unterm Strich blieb für den Deutschen Rang fünf und der positive Nebeneffekt, als einer von lediglich zwei Piloten in allen bisherigen Rennen gepunktet zu haben. Größer war der Ärger bei Abts Teamkollegen Luca di Grassi, der in einer von Sebastien Buemi ausgelösten Kollision unschuldig zum Handkuss kam und von der Strecke torpediert wurde. Der Brasilianer, der zuletzt in Mexiko triumphierte, vergab damit die mögliche Gesamtführung. „Einige Fahrer haben am Ende ihre Ellenbogen etwas zu sehr ausgepackt“, so Audi-Teamchef Allan McNish. „Dadurch ist Lucas ganz aus dem Rennen gerissen und Daniel ein wenig aus dem Weg gerempelt worden. Das Ergebnis ist etwas enttäuschend für uns, weil wir die Performance, die Fahrer und die Strategie für mehr hatten.“

Die Halbzeitführung sicherte sich damit der Portugiese Antonio Felix Da Costa (62), der Vorsprung auf den zweiplatzierten Belgier Jerome d'Ambrosio ist mit einem Zähler allerdings überschaubar gering. Di Grassi (52) folgt auf Zwischenrang fünf, Daniel Abt (44) liegt aktuell auf Position sieben. In Rom wartet auf die Piloten ein 2,1 Kilometer langer und mit 21 Kurven überaus anspruchsvoller Kurs. Die Strecke führt unter anderem an der Messehalle, dem Platz der Nationalen Einheit und dem Marconi-Obelisken vorbei.

„Rom war schon bei seiner Premiere in der vergangenen Saison ein großartiges Event, bei dem Daniel und Lucas in die Top Vier gefahren sind. Der Kurs hat einen einmaligen Charakter und ist eine echte Herausforderung: ein schneller erster Abschnitt mit einem kleinen Sprung und ein extrem enger und schwieriger letzter Sektor“, verrät McNish, der sich sicher ist, „dass die Fans einen tollen Renntag erleben werden.“