Reine Frauensache

Die Gäste genießen die Abwechslung in den Snow- und Familyparks Obergurgl. Der Aufbau und die Betreuung der Hindernisse, Steilkurven und Wellen liegen in Frauenhand. Jana und ihre fünf Kolleginnen bauen ein Paradies für Anfänger und Könner – zum Beispiel die Audi quattro funslope Obergurgl.

Die „Shaper“. So nennen sich jene Herren, die in Skigebieten einzelne „Parks“ mit Sprüngen, Steilkurven, Wellen, Brücken und anderen Hindernissen versehen und damit bei den Gästen für einen zusätzlichen Spaßfaktor sorgen.

Am Fun-Mountain Obergurgl ist das anders. Hier lautet das Motto: „SHAPED BY GIRLS ONLY“. Obergurgl ist das einzige Gebiet Österreichs, in dem die Parks ausschließlich von jungen Damen gebaut und betreut werden. Jana und fünf Kolleginnen von „QParks“ sind in Obergurgl gleich für vier Parks für Skifahrer und Snowboarder verantwortlich. „Da wäre einmal die Audi quattro funslope bei der Festkoglbahn“, erklärt Jana, „die ist perfekt für alle, für Jung und Alt, für Anfänger und Könner. Dort gibt es auch das Fun Cross, wo Speed-Fans dank der Steilkurven, Sprünge und Wellen voll auf ihre Kosten kommen.“

Der Familypark bei der Bruggenbodenbahn wurde von der „Mädels-Crew“ für Einsteiger gebaut. Die Sprünge sind kniehoch, die Wellen und Kurven dezent, „der Familypark ist auch für Skischulen super geeignet.“ Und der vergrößerte Snowpark bei der Steinmannbahn ist das Herzstück des Fun-Mountains. Jana: „Das ist ein Park für Fortgeschrittene. Große Kicker, große Wellen, schnelle Kurven, einfach eine tolle Sache.“

Für 47 Parks in fünf Ländern, davon 25 in Österreich, ist „QParks“ verantwortlich. In Obergurgl haben Jana und ihre Kolleginnen im Oktober damit begonnen, alles für die Saison herzurichten. Die eigentliche Schneearbeit beginnt für die Shape Crew Anfang Dezember, kurz vor Weihnachten werden die Parks eröffnet.

Sechs junge Damen, kein Herr – eine außergewöhnliche Konstellation? „Schon“, lächelt Jana, die 2018/2019 die zweite Saison als Head Shaperess fungiert. „Aber wir machen das genauso gut. Vielleicht haben wir Mädels ein bisschen mehr Feingefühl“, lächelt sie. Was macht eine gute Shaperess aus? „Sie braucht Kraft, weil es körperlich schon anstrengend ist. Sie braucht Köpfchen, weil man viel mitdenken muss – und sie braucht natürlich perfekt lackierte Fingernägel“, sagt sie und aus dem Lächeln wird ein schelmisches Grinsen.

Die Errichtung eines Parks benötige viel Einfühlungsvermögen und Vorstellungskraft. „Zuerst muss man schauen, was man generell hinstellt. In Obergurgl bei der Audi quattro funslope etwa war im Sommer eine Begehung von unserem Technischen Leiter. Der schaut sich das Gelände an und entscheidet, wo man natürliche Wellen und Kurven mitnehmen kann, wo man was reinbauen kann. Dann wird geplant – die Obstacles, die Speed-Booster-Box, die Brücke und andere Teile. Ich bekomme diesen Plan und es geht los“, erklärt Jana. „Und natürlich sind auch Leute aus dem Gebiet hier eingebunden, etwa die Bully-Fahrer, weil sie die Hänge und Gegebenheiten extrem gut kennen.“

Als „Schreibtischhengst“ hat man hier übrigens nichts verloren. Jana und ihre Crew fahren selbst ausgezeichnet Ski und Snowboard. „Ja, wir können das schon ganz gut“, sagt Jana bescheiden. „Wenn man so etwas baut, muss man es ja auch testen. Stell‘ dir vor, du bäckst einen Kuchen und verschenkst ihn. Wenn der nicht schmeckt, kannst du das ja auch nicht verantworten. Wenn ich nicht weiß, wie das am Ende auszusehen hat, weil ich nicht weiß, wie ich es bewältigen muss, dann komme ich auch nicht so schnell an das gewünschte Ziel.“

Für den Bau einer Slope bekomme man mit der Zeit ein Gefühl. Aber Jana betont: „Ohne Leidenschaft geht gar nichts. Alles andere ist erlernbar. Es geht sehr viel um Praxis, um Learning by Doing. Es macht zum Beispiel einen Unterschied, ob man mit Natur- oder Kunstschnee arbeitet, weil Kunstschnee kompakter ist.“

Rund zwei Wochen dauert etwa der Aufbau der Audi quattro funslope Obergurgl. Damit ist das Saisonwerk aber nicht getan. Arbeit gibt es auch während des Winters täglich genug. Jana beschreibt den Idealtag: „Wir stehen auf, die Sonne scheint, wir fahren auf den Berg und die Slopes einmal durch und merken, dass die Pistengeräte alles perfekt gewalzt haben. Dann shapen wir den Kurs noch einmal ein bisschen nach, damit die Sicherheit der Gäste gewährleistet ist, bauen die Zäune auf, stellen das Schild auf ‚grün‘ und schauen den Leuten zu, wie sie Spaß haben. Dann trinken wir einen Kaffee und um 15 Uhr richten wir alles so her, dass die Bullys wieder schön durchfahren und die Grobarbeit machen können.“

Das ist aber nicht die Norm. Vor allem, wenn Neuschnee gefallen ist, wird es besonders schweißtreibend. Jana: „Dann müssen wir alles ausschaufeln und wieder shapen. Das ist richtig anstrengend.“ Daher bekommt die Crew auch nicht wirklich die Gelegenheit, selbst den Pulverschnee zu genießen. „Ausgenommen die erste Fahrt, weil wir ja die Ersten sind, die auf den Berg kommen. Aber nach dem vielen Schaufeln willst du dann auch nicht mehr fahren, dann sind die Arme zu schwer“, lacht Jana. In der heurigen Saison bieten die Expertinnen übrigens einen zusätzlichen Service: Beim „Weekly Coaching“ geben die Damen jeden Freitag ab 13.00 Uhr Tipps und zeigen Tricks, wie man die mindestens 18 Obstacles am besten nimmt.

Wenn die Saison am 28. April 2019 endet, trennen sich die Wege der sechs Damen. Manche haben aber noch nicht genug und fliegen in den Winter. Jana: „Es gibt Mädels aus meiner Crew, die im Sommer in Australien Snow- und Funparks bauen. Die sind also das ganze Jahr über im Schnee – das ist echte Leidenschaft.“ Und sie selbst? „Ich brauche nach dem harten Winter ein bisschen Sonne und Welle – aber die Meereswelle.“

Erstellt am 25.10.2018