Der stille Freeride Rebell.

Steile Hänge, meterhoher Powder, Adrenalin. Wer Freeride kennt, kennt Nadine Wallner. Die Vorarlbergerin ist seit einigen Jahren eine fixe Größe auf der FWT, der Freeride World Tour, wo die besten Freeride Skifahrer der Welt sich ein Stelldichein geben. Die 27-Jährige begann ihre Karriere zwar als Skirennläuferin, aber da ihr Vater als Bergführer tätig ist, liebte sie schon von klein auf das „Backcountry“ (so werd das Gelände abseits aller Pisten im Freeride Jargon genannt), wo sie bis heute daheim ist. Ihr Hausberg ist der Arlberg – kein schlechter Platz um in Österreich das Freeriden zu erlernen.

Neben den FTW Contests, fokussiert Nadine auch auf Skiexpeditionen auf der ganzen Welt. Die letzte Tour ging 2015 nach Peru wo sie bis auf den 6.036 Meter hohen Quitaraju kletterte. Für Nadine ist und bleibt das Skifahren im Gelände noch immer der ultimative Ausdruck von Freiheit. Mit Ihrer Einstellung und Ihrem Können wird sie mit Sicherheit ihre Disziplin noch für einige Jahre stark beeinflussen.

Wir hatten die Möglichkeit mit Nadine zu plaudern:

Audi: Wie bist du zum Skifahren gekommen?

Nadine Wallner: Im Alter von drei Jahren begann ich auf den Brettern, die für mich die Welt bedeuten, Ski zu fahren. Ganz traditionell wurde ich mit dem Skirennlauf groß, wobei mein Vater, ein erfahrener Berg- und Skiführer, mich oft auf seine Touren mitnahm. So lernte ich schon in jungen Jahren eine andere Art des Schifahrens kennen. Nach einigen Verletzungen beendete ich mit 16 Jahren meine Laufbahn als Skirennläuferin und absolvierte in der Akademie St. Christoph die Ausbildung zum staatlichen Skilehrerin- und Skiführerin. Seit dem gebe ich mich mit voller Motivation dem Skifahren hin.

Erkläre die Faszination Freeride und warum nicht Alpin wie in Österreich normal üblich.
Es macht mir sehr viel Spaß, mich in den Bergen zu bewegen, die Natur in ihrer ganzen Vielfalt erleben zu dürfen, andere Freerider mit derselben Leidenschaft kennen zu lernen, und meinen Sport bei Fotoshootings, Filmprojekten und internationalen Wettbewerben zu leben. Freeriden bedeutet für mich, meiner Fantasie und meinen Ideen in meinen Linien freien Lauf zu lassen – und mich so selbst zum Ausdruck zu bringen. Das „Powdern“ in steilen Hängen und Wänden bedeutet für mich Freiheit. Es ist die Möglichkeit, ein Lebensgefühl zu erfahren, wie es anders nicht möglich wäre. Bei uns steht der Berg, die Natur und die Freiheit im Vordergrund, ganz anderes ist es bei den Alpinen. Es gibt sehr viele Regeln und Richtungsvorgaben. Dennoch hat beides seine Berechtigung und jeder entschiedet für sich was er/sie sein möchte oder nicht.

Ist Freeride nicht zu gefährlich?
Gefährlich ist eine Definitionssache. Der Straßenverkehr ist auch gefährlich und dennoch fahren wir Tag täglich mit dem Auto von A nach B und vertrauen blind hunderttausenden von Menschen. Ganz anderes ist es am Berg, hier vertraue ich auf mich selbst, meinem Instinkt, meiner Intuition und Erfahrung. Natürlich ist das Risiko größer umso mehr Tage man am Berg verbringt, aber es schärfen sich auch mit jedem Tag die Sinne und die Wahrnehmung, um das Risiko wiederum zu minimieren und die richtige Entscheidungen am Berg zu treffen.

Wie würdest du deine vergangene Saison am besten beschreiben?
Die Saison 2016 war für mich eine der Besten die ich je hatte. Nach meiner Verletzung, bei der ich knapp zwei Jahre zur Genesung benötigte, hatte ich sehr viele kleine Erfolge die für mich sehr großen Wert hatten. Ich habe mit der Verletzung sehr viel neues Bewusstsein für alte, so wie auch für neue Dinge entwickelt und möchte, auch wenn es seltsam klingt, diese lehrreiche Zeit nicht missen wollen.

Welche Ziele hast du im nächsten Jahr?
Nach meinem, für mich, sehr erfolgreichen Comeback auf der FWT, möchte ich nächste Saison wieder an den Start gehen und mein Bestes versuchen. Aber auch meine Leidenschaft für alpine bergsteigerische Herausforderungen ausbauen und das ein oder andere Projekt verfilmen. Ansonsten viel in den Bergen unterwegs sein und eine gute Zeit im Schnee mit meinen engsten Freunden verbringen.

Wie sieht ein Wettkampftag für dich aus?
Ich bin immer relativ entspannt. Früh aufstehen, frühstücken, das Face noch einmal begutachten, Musik in die Ohren, hiken und Spaß beim runter fahren haben.

Was frühstückst du?
Müsli, Ei, Saft, Tee und Obst.

Wieviel musst du über den Sommer trainieren?
Ich bin auch im Sommer sehr viel in den Bergen unterwegs, somit ergeben Bergsteigen, klettern, lange Zustiege und der schwere Rucksack mit Seil und anderen Freunden mein Sommertraining. In meiner Verletzungszeit war ich gezwungen sehr viel Indoor zu trainieren, was mir sicher für diesen Winter sehr viel gebracht hat. Danke hierfür Christoph Ebenbichler vom Olympiazentrum Innsbruck, der stets meine Interessen draußen sein zu wollen verfolgt hat und mir mit einer guten Mischung geholfen hat mich wieder zurück auf die Beine zu bekommen.

Welches ist dein liebstes Reiseziel und warum?
Es gibt so viele Reiseziele, die ich noch gerne realisieren würde. Wichtig ist mir dabei das Abenteuer, die Berge und die richtige Crew.

Was darf auf keinen Fall fehlen wenn du auf ein Weltcuprennen fährst?
Natürlich meine Ski, mein iPod, gute Laune und eine/n motivierten Copiloten bei der Autofahrt dorthin.

Was ist dein Lieblings App auf dem Smartphone und warum?
Ich muss ehrlich gestehen ich benutze zwar ein Smartphone, beschäftige mich aber sehr wenig mit der digitalen Welt. Ich bin lieber im hier und jetzt. Im Alltag, natürlich what´s up, Wetter apps, .die ich aber rein zweckmäßig einsetze.

Was war der beste Moment in der letzten Saison?
Da gibt es mehrere, aber ich denke oft an den Moment zurück, als ich in Andorra beim ersten FWT Stop durchs Ziel gefahren bin. An diesem Tag haben sehr viele Emotionen zusammen gespielt und obwohl ich 5. geworden bin, hatte ich das Gefühl, nach meiner langen Verletzungszeit, an diesem Tag gewonnen zu haben und endlich wieder da zurück zu sein wo ich aufgehört habe.

iPhone oder Android?
iPhone.

Facebook oder Instagram?
Facbook, ich habe zwar einen Instagram Account benutze den aber nie. Nach dem Prinzip weniger ist mehr.

Kaffee oder Tee?
Tee.

Frühstück oder Abendessen?
Beides.

Hund oder Katze?
Hund, am liebsten zwei Huskys.

Liebe Nadine, vielen Dank für deine Zeit.

 

Fotocredit: Markus Berger (Portrait) und Christoph Schöch (Fahraufnahme) Jeremy Bernard (Freeride Shot seitlich), Philip Platzer (Nadine mit Teilnehmern) via www.redbullcontentpool.com