Mission München

Bayern München ist nicht bloß Fußball, sondern auch Basketball und nicht das einzige, was Small Forward Marvin Ogunsipe mit Linksverteidiger David Alaba verbindet.

Marvin, du bist als 18-jähriger Jungstar der D.C. Vienna Timberwolves nach München gewechselt, hast im Februar 2017 in der Bundesliga debütiert. Im Vorjahr habt ihr nach einer Durststrecke von 59 Jahren den dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte gewonnen, dazu gab es noch den Pokalsieg zu feiern – klingt nach alles richtig gemacht, oder?
Klingt absolut gut, keine Frage, aber mein Weg ist noch lange nicht zu Ende. Ich sehe meine Entwicklung positiv, muss aber weiter hart an mir arbeiten, besser werden und klar war speziell das letzte Jahr fantastisch, aber zählen tut nur das Jetzt und Hier. 

Ihr seid in der Meisterschaft am besten Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung, in der Euro-League ist ein Play-Off-Platz realistisch, wie lauten die Ziele für die laufende Saison?
Wir sind der FC Bayern München, von uns werden Titel erwartet, die Meisterschaft ist unser Ziel, da braucht man nicht lange herumreden. Die Euro-League ist hingegen die Kür, eine Art extra Bonus. Wir sind das erste Mal seit vier Jahren wieder im internationalen Geschäft dabei und voll im Rennen um die Play-Off-Plätze. Wenn wir die Qualifikation packen, wäre es der Wahnsinn.

Du bist mittlerweile Doppelstaatsbürger, hast neben dem österreichischen auch den deutschen Pass. Was hat dich dazu bewogen?
München ist neben Wien zu meiner zweiten Heimat geworden, hinzu kommt die Tatsache, dass ich dank der deutschen Staatsbürgerschaft das Ausländerkontingent der Bayern nicht mehr belaste. Denn laut Statuten müssen im maximal zwölfköpfigen Aufgebot für Bundesligaspiele zumindest sechs Deutsche stehen. Das hilft beiden Seiten.

Was hat München, was Wien nicht, hat und umgekehrt?
In Wien ist alles viel lockerer, da rennt mehr der Schmäh. Und nichts gegen Rapid oder Austria, aber eine internationale Top-Marke wie den FC Bayern München hat Wien nicht.

Der Audi Dome ist seit 2011 Spielstätte der Basketballabteilung des FC Bayern München. Was macht den Reiz der Halle aus?
Sie spielt aufgrund der Multifunktionalität und Kapazität von knapp 7.000 Zuschauern alle Stückeln. Die Stimmung ist speziell bei den Top-Spielen am Kochen, was zuletzt gegen Fenerbahce abgegangen ist, war unglaublich. Da hat es keinen mehr auf den Sitzen gehalten!

Bei euren Heimspielen schauen ab und zu auch die Fußballer der Bayern vorbei, bist du umgekehrt auch als Fan in der Allianz Arena?
Unsere Spielpläne überschneiden sich ziemlich oft, daher leider eher selten. Aber die Matches die ich bisher im Stadion verfolgt habe, waren allesamt extrem lässig.

Dich verbindet mit David Alaba eine sehr gute Freundschaft, was macht ihn als Kumpel aus?
Unsere Väter kommen beide aus Nigeria und kennen sich schon ewig, das hat auch uns zusammengeschweißt. Ich kann mich immer auf David verlassen, er war es auch, der mir geholfen hat in München Fuß zu fassen. Ich bin damals ohne Familie hergekommen, habe niemanden gekannt. David hat mich sozusagen unter seine Fittiche genommen, dafür war und bin ich ihm sehr dankbar.

Stichwort Nationalteam, du läufst seit 2015 für Österreich auf, ihr habt gerade die Hürde Vorqualifikation gemeistert, spielt im Herbst um das Ticket für die EM 2021. Zuletzt war man vor 41 Jahren bei einer EM-Endrunde dabei, wie realistisch ist die Teilnahme in zwei Jahren?
Natürlich wird es sehr, sehr schwer, aber ich bin optimistisch. Wir haben eine hungrige Mannschaft und mit Sylven Landesberg zusätzliche individuelle Klasse dazu bekommen. Er ist unglaublich kreativ, kann Spiele im Alleingang entscheiden. Abgesehen davon haben wir mit Jakob Pöltl einen NBA-Center in unseren Reihen. Er spielt in der besten Liga der Welt was fantastisch ist, aber auch den Haken hat, dass er während seiner Saison vom Verein nicht freigestellt wird.

Ihr habt zusammen in Wien bei den Timberwolves gespielt, wie intensiv seid ihr noch in Kontakt?
Jakob ist viel mehr als bloß ein ehemaliger Teamkollege. Wir sind vier Jahre nebeneinander in der Schule gesessen und beste Freunde. Ich verfolge seine Spiele so oft es geht und wir tauschen uns auch regelmäßig aus.

Was traust du ihm in der NBA mittelfristig zu?
Ich bin überzeugt, dass er sich bei den Spurs schon bald einen Fix-Platz in der Starting Five erarbeiten wird.

Österreich gilt als Skination, werden da Erfolge im Basketball überhaupt wahrgenommen und wie sieht es mit deinen persönlichen Wintersportambitionen aus?
Die öffentliche Wahrnehmung hängt stark vom Erfolg ab, also liegt es an uns, Werbung in eigener Sache zu betreiben. Beim letzten Auftritt der Nationalmannschaft waren immerhin 1.300 Leute in der Halle und haben für eine super Stimmung gesorgt, es tut sich also langsam was. Und Skifahren ist mir seitens des Vereins aus Verletzungsgründen untersagt, leider.

Deine Größe (Anm. 2.04m) hat gewisse Herausforderungen im Alltag zu Folge, welche Hürden sind aufgrund deiner Länge die größten?
Ach, das ist alles nicht so schlimm, schau dir Jakob an, der ist nochmal um zehn Zentimeter größer. (lacht) Aber es stimmt schon, gewisse Dinge sind gewöhnungsbedürftig. Ich tu mir beispielsweise in kleineren Autos schwer. Egal ob als Fahrer oder Beifahrer, ich brauche einfach Platz. Umso mehr schätze ich die Qualitäten meines Audi A4. Der ist sportlich und geräumig zugleich.
 

Fotocredits
Titelbild: Audi AG Richard Walch
Foto #1: FCBB Rauchensteiner