„LANGSAME ODER SCHLECHTE AUTOFAHRER REGEN MICH SCHON AUF“

Mit Stefan Kraft & Michael Hayböck bei der Audi Mountain Experience

Ein neuer Cheftrainer, andere Zugänge, den WM-Winter mit Heimvorteil vor der Brust und die Seidlalm als Ausgangspunkt: Stefan Kraft und Michael Hayböck plaudern bei ihrem Abstecher zur Audi Mountain Experience 2018 in Kitzbühel über den frischen Wind im Adlerhorst, das Rollenspiel im Auto, das Fahrverhalten des anderen und ihre Saisonziele.

Stichwort Herausforderung: Gleich steht ein Offroad-Parcours mit dem neuen Audi Q8 auf dem Programm, was geht euch gerade durch den Kopf?
Michael Hayböck: „Ich freu mich drauf, es wird sicher lustig und ich glaube nicht, dass ich das Auto gleich aufs Dach legen werde. Andererseits wäre das mal eine echte Challenge.“ (lacht)
Und du Stefan?
„Ich bin gespannt was da auf uns zukommt, viel kann ich mir nicht darunter vorstellen. Aber wir sind sicher nicht die einzigen die den Parcours befahren und wenn es die anderen schaffen, schaffen wir das auch.“

Wie sieht euer genereller Zugang zum Autofahren aus, sitzt ihr lieber am Steuer, oder fühlt ihr euch auch als Beifahrer wohl?
Stefan Kraft: „Ich fahre generell nicht so gerne alleine, überhaupt die langen Strecken, obwohl es in einem Audi sehr angenehm ist. Wenn ich es mir aussuchen kann, dann lieber eine Fahrgemeinschaft. Wo ich nicht selber alles fahren muss, sondern auch daneben sitze und beobachten kann.“ 
Michael Hayböck: “Generell fahre ich lieber selber. Da vergeht die Zeit schneller und ich kann das Tempo selber bestimmen. Ich ärgere mich selten über etwas, aber langsame oder schlechte Autofahrer regen mich schon auf. Ich fahre ganz gerne etwas zügiger, so gesehen fühle ich mich in der Nacht am wohlsten. Da ist deutlich weniger los.“

Ihr legt im Jahr um die 70.000 Straßenkilometer zurück. Habt ihr eine Lieblingsstrecke und welche Route gilt es unbedingt zu meiden?
Michael Hayböck: „Die absolute Negativstrecke ist alleine schon aufgrund der regelmäßigen Staus die Fahrerei zwischen Innsbruck und Salzburg. Und richtig Spaß kann es auf den deutschen Autobahnen machen. Mit 350 PS unter der Haube und keinem Verkehr, das ist schon lässig.“

Lieber Ruhe und weniger reden, ständig schwätzen, oder doch lieber Musik? Wie verbringt ihr eure Reisezeit?
Stefan Kraft: „Das kommt darauf an wie lange wir uns nicht gesehen haben. Jetzt zum Beispiel, nach dem Urlaub, haben wir die Fahrt hierher durchgequatscht. Im Winter, wenn wir praktisch durchgehend unterwegs sind, läuft auch viel das Radio. Wir stehen beide auf House Music und drehen ganz gerne auch etwas lauter auf.“

Weil wir gerade von der Seidlalm losgefahren sind, ihr kennt die Streif nur von TV-Bildern, wie viel Respekt flößt sie euch ein?
Stefan Kraft: „Wenn man weiß, was da alles schon passiert ist, bedenkt, dass selbst die besten Skifahrer der Welt hier grobe Probleme haben, überlegt man sich das zwei-, dreimal ob man da auf Skiern runter mag. Selbst wenn man nur runterrutscht. Für mich sind das schon brutal wilde Hunde.“

Drehen wir den Spieß um, welchen Abfahrer würdet ihr auf die Schanze schicken?
Michael Hayböck: „Alle! Die müssen den Sprung ja eh nur drücken.“ (lacht)

Okay, und welche Schanze würdet ihr für Hannes Reichelt und Co. aussuchen?
Michael Hayböck: „Mich würde interessieren, ob die überall runterfahren, weil wie gesagt, an sich kann es ja kein Problem sein. Kompression, Sprung drücken und den Hang runterschießen. Das muss schon drinnen sein.“
Stefan Kraft: „Ein steiler Anlauf mit einem gescheiten Radiusdruck – so wie zum Beispiel die Flugschanze in Oberstdorf, das wäre sicher interessant.“

Zwei Schanzen, der im kommenden Winter eine große Bedeutung zukommen, stehen in Tirol. Ist die Vorfreude auf die WM-Backen schon zu spüren?
Michael Hayböck: „Definitiv! Der Bergisel ist jedes Jahr bei der Tournee ein Hexenkessel und absolutes Highlight. Wenn ich mir vorstelle, was da beim Teamspringen während der WM abgehen wird - das wird schon etwas ganz Besonderes.“
Stefan Kraft: „Eine Heim-Weltmeisterschaft passiert dir einmal im Leben. Wenn es jetzt im Training etwas zach daher geht und du denkst an das was sich dann abspielen wird, motiviert das ungemein.“

Was lässt sich über die Normalschanze in Seefeld sagen?
Stefan Kraft: „Wir waren heuer nach den Olympischen Spielen in Seefeld auf Trainings-Lehrgang. Zuletzt war das während meiner Stamser Schulzeit der Fall, also vor sechs Jahren. So gesehen war es höchste Zeit die Schanze wieder zu testen und es war absolut lässig. Die Sprünge können bis zu 115 Meter weit gehen, es ist also eine der größeren Normalschanzen, das taugt mir.“

Ihr seid nach einer zuletzt eher durchwachsenen Saison stark in der Kritik gestanden, jetzt gibt es mit Andreas Felder einen neuen Cheftrainer. Hat sich in der Vorbereitung etwas geändert?
Michael Hayböck: „Es haben sich schon ein paar Dinge verändert, wobei ich sagen muss, dass ich mich auch zuvor unter Heinz Kuttin sehr gut betreut gefühlt habe. Aber bei einem Trainerwechsel ändern sich ganz einfach gewisse Zugänge und Abläufe, ob sich das positiv auswirkt, wird man dann während der Saison sehen. Andi ist sehr direkt, er kommuniziert anders, sowohl mit uns als auch mit dem Trainerteam. Es geht was weiter und macht Spaß, das Gefühl ist auf alle Fälle sehr positiv.“
Stefan Kraft: „Es sind Kleinigkeiten wie zum Beispiel, dass er uns bei den bisherigen Trainings-Lehrgängen extrem früh aus dem Bett gejagt hat (lacht). Und es wird brutal darauf geachtet wie wir jede einzelne Übung machen. Sie wollen was Neues reinbringen, jeder zieht voll mit und jeder will was weiterbringen.“

Der Weltcupauftakt erfolgt am 17. November im polnischen Wisla, was steht bis dahin auf dem Programm?
Michael Hayböck: „Im Prinzip starten wir jetzt die zweite Halbzeit der Vorbereitung. Es ist bereits eine Menge passiert, aber es gibt schon noch was zu tun. Einerseits gilt es körperlich noch etwas draufzulegen, andererseits bei den Sprüngen dorthin zu kommen, wo du weißt, dass es passt. Wir wollen die Trainings-Lehrgänge optimal nützen und auch beim Sommer-Grand-Prix in Hinzenbach anschreiben.“

Und wie lauten eure Saisonziele?
Stefan Kraft: „Mein großes Ziel ist gleich von Anfang an dabei zu sein. Ich will konstant in die Top-10 springen und ein Kandidat für die Stockerlplätze sein. Letzteres muss sich sicher erst entwickeln, aber wie gesagt, ich will im Idealfall gleich zu Saisonbeginn bei der Musik dabei sein. Und klarerweise ist die Heim-Weltmeisterschaft ein besonderes Zuckerl!“
Michael Hayböck: „Meine letzte Saison war von mehr Tiefs als Hochs geprägt. Es war nach der Verletzung kurz vor dem Weltcupauftakt sehr schwierig reinzukommen, zumal du während der Saison kaum Zeit für ein effektives Training hast. Für mich heißt es ganz einfach mich wieder zurück zu kämpfen und die Konstanz zu finden, die in den letzten eineinhalb Jahren etwas verloren gegangen ist. Ich will regelmäßig gute Sprünge abliefern, wenn das gleich zum Saisonauftakt klappt, wäre es natürlich perfekt.

 

Fotocredits: Simon Rainer