Matthias Mayer

Der Moment im Kopf

Über das Leben als Olympiasieger, über Familie, Freunde und die Ruhe beim Skifahren. Und warum Einkaufen auch aus sportlicher Sicht wichtig sein kann. Matthias Mayer im Interview.

„Sobald ich die Ski anschnalle, bekomme ich ein großes Freiheitsgefühl. Skifahren ist genau das, was ich tun will, was ich immer tun wollte.“

Audi magazin: Wenn man aktuell bei Google den Suchbegriff „Matthias“ eingibt, schlägt google.at als erste Vervollständigung „Mayer“ vor, erst danach folgen der Schauspieler „Schweighöfer“, der Sänger „Reim“ und der Politiker „Strolz“. Ein Beweis, dass Ihr Bekanntheitsgrad seit Ihrem Abfahrtssieg in Sotschi sprunghaft angestiegen ist. Ist diese Popularität belastend?
Matthias Mayer:  Belastend ist sie ganz sicher nicht. Es ist aber eine völlig neue Situation für mich, an die ich mich erst gewöhnen muss. Egal, wo ich derzeit hinkomme, ich werde immer erkannt und nach Fotos oder Autogrammen gefragt. Darauf muss ich mich erst einstellen. Es ist natürlich erfreulich, dass der Skisport in Österreich eine so große Bedeutung hat. Man weiß von Kindheit an, dass man als erfolgreicher Skisportler in Österreich einen Promistatus hat, aber wenn es dann wirklich eintrifft, ist es schon überraschend. Die Popularität hat mich aber nicht verändert, ich bin noch immer der Gleiche und werde auch von meinen Freunden und meiner Familie weiterhin gleich behandelt.

Audi magazin: Zurückblickend auf den 9. Februar 2014: Was ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben?
Matthias Mayer:  Es war alles nach dem Rennen extrem emotional. Was wirklich ganz stark in meiner Erinnerung geblieben ist, war die flower ceremony kurz danach, als der Sprecher den „new olympic champion Matthias Mayer“ aufgerufen hat. Das war unglaublich. Das ist der Moment, der in meinem Kopf fest drin ist.

Audi magazin: Wissen Sie Ihre Zeit noch?
Matthias Mayer:  Ja, 2.06.23.

Audi magazin: Im Nachhinein: Was war ausschlaggebend, dass es gerade an diesem Tag geklappt hat?
Matthias Mayer:  Es hat einfach alles zusammengepasst. In den letzten Jahren habe ich mich immer weiter steigern können und bin vom Skifahrerischen her immer besser geworden. In der Woche vor der Olympia-Abfahrt habe ich mir viele Gedanken über den Renntag gemacht, habe mir den Lauf intensiv vorgestellt. Oben am Start habe ich genau gewusst, dass sind jetzt die zwei Minuten, auf die ich die letzten zwei Jahre hintrainiert habe, und beim Wegfahren wollte ich nur noch so schnell wie möglich unten sein. Und es hat funktioniert.

Audi magazin: Ihre Mutter hat kurz nach dem Olympiasieg in einem Interview gesagt „Jetzt habe ich einen Olympiasieger daheim, was soll ich mit dem denn machen?“ Wie ist Ihre Familie mit Ihrem Erfolg umgegangen?
Matthias Mayer:  Für meine Mutter, meinen Bruder und die ganze Familie war alles ein extremes Gefühlsbad. Es war wahnsinnig schön, wie ich alle im Ziel angetroffen habe, und es war unglaublich, welche Emotionen da frei wurden. Das kann man eigentlich nicht beschreiben, das war schon sehr cool. Speziell meine Mutter hat mich wirklich immer sehr unterstützt, macht jetzt noch sehr viel für mich, von der Terminkoordination angefangen. Sie ist quasi meine rechte Hand, die ich auch immer um Rat fragen kann.

Audi magazin: Was zeichnet Sie skifahrerisch besonders aus?
Matthias Mayer:  Ich probiere sehr viel mit Technik herum und versuche, mit Köpfchen zu fahren. Für die Zuseher schaut es vielleicht so aus, dass ich immer alles riskiere und immer voll am Limit fahre, aber es ist trotzdem alles abgewogen. Ich bin eigentlich nie allzu riskant unterwegs.

Audi magazin: Und gibt es noch Schwächen?
Matthias Mayer:  Auf jeden Fall muss ich, muss jeder bei der Technik immer am letzten Stand sein, weil sich die Technik und das Material ständig weiterentwickeln. Da darf man nichts versäumen, muss einfach dranbleiben. Zum Beispiel im Riesentorlauf, wenn man sich die Technik von Ted Ligety ansieht, versucht man natürlich, sich etwas abzuschauen. Deshalb trainiere ich sehr viel Riesentorlauf, weil ich die Technik auch in Abfahrt und Super G einsetzen kann.

Audi magazin: Ist das Leben als Skisportler nicht sehr anstrengend?
Matthias Mayer:  Es ist eigentlich das Leben, das ich mir immer gewünscht habe. Natürlich ist es in der Saison nicht immer leicht, man hat viele Einsätze und dazwischen lange Reisezeiten, und das macht sehr müde. Da gibt es immer wieder Tage, an denen man gleich nach dem Aufstehen merkt, heute geht nichts. Aber diese Tage versuche ich möglichst zu minimieren, und wenn ich konstant gut fahre, dann werden sie auch sehr selten.

Audi magazin: Wie motivieren Sie sich vor den einzelnen Rennen?
Matthias Mayer:  Wenn ich weiß, ich bin gut vorbereitet, und wenn ich mir selbst sicher bin, dann kann ich locker in ein Rennen gehen. Es ist wichtig, sich zwischen den einzelnen Rennen schnell zu regenerieren und vom Kopf her fit zu machen. Das schaffe ich am besten, wenn ich dazwischen was ganz anderes mache, zum Beispiel einkaufen gehen oder bei einem Eishockeyspiel zuschauen, wo man mal ganz abschalten kann und auf andere Gedanken kommt. Das reicht dann schon, dass ich wieder voll motiviert bin und mich darauf besinne, wo ich eigentlich hin will, nämlich ganz vorne mitzufahren.

Audi magazin: Und gibt es noch Schwächen?
Matthias Mayer:  Auf jeden Fall muss ich, muss jeder bei der Technik immer am letzten Stand sein, weil sich die Technik und das Material ständig weiterentwickeln. Da darf man nichts versäumen, muss einfach dranbleiben. Zum Beispiel im Riesentorlauf, wenn man sich die Technik von Ted Ligety ansieht, versucht man natürlich, sich etwas abzuschauen. Deshalb trainiere ich sehr viel Riesentorlauf, weil ich die Technik auch in Abfahrt und Super G einsetzen kann.

Audi magazin: Was ist das Schöne am Skifahren?
Matthias Mayer:  Das Schöne ist das Draußensein, die Ruhe, wenn man allein am Lift oder auf der Piste ist. Sobald ich die Ski anschnalle, bekomme ich ein großes Freiheitsgefühl. Ich bin mir in diesem Moment einfach sicher, das ist genau das, was ich tun will, was ich immer tun wollte.

Audi magazin: Wann sind Sie mit Ihrer Leistung zufrieden?
Matthias Mayer:  Es gibt Rennen, da wird man Vierter und man hat alles gegeben und ist gut gefahren. Manchmal steht man am Stockerl und der Lauf hat eigentlich nicht ganz gepasst, weil man irgendwo einen Fehler gemacht hat, der Zeit gekostet hat. Am Ende des Tages bin ich mit mir zufrieden, wenn ich bestmöglich gefahren bin, alles gegeben habe, locker geblieben bin, Spaß am Rennen hatte. Manchmal bin ich schon ausgefallen und letztendlich doch nicht ganz unzufrieden gewesen, weil ich zumindest was gelernt habe.

Audi magazin: Sie hatten vor zwei Jahren eine langwierige, schwere Krankheit durch eine Lebensmittelvergiftung. Wie haben Sie sich wieder nach oben gekämpft?
Matthias Mayer:  Mich hatte es damals wirklich sehr erwischt. Die Vergiftung hat eine Autoimmunerkrankung ausgelöst, bei der ich an manchen Tagen nicht wusste, ob ich wieder ganz gesund werde und wie die Zukunft wird. Ich wollte damals schon die ganze Saison absagen. Rausgekommen bin ich mit innerer Ruhe, Gelassenheit und dem eigenen Wollen.

Audi magazin: Hat Sie diese Erfahrung verändert?
Matthias Mayer:  Auf jeden Fall. Ich war am Anfang im Weltcup immer sehr verbissen und wahrscheinlich zu verbissen. Die Krankheit hat mir die Augen geöffnet, dass es auch andere Seiten im Leben gibt und dass nicht immer alles nach Wunsch läuft. Wenn man seinen Körper nicht mehr im Griff hat, dann wird einem bewusst, dass Gesundheit das Wichtigste im Leben ist. Ich bin sicher relaxter geworden und kann jetzt leichter damit umgehen, wenn es sportlich einmal nicht so funktioniert.

Audi magazin: Von außen betrachtet wirken Sie sehr cool. Können Sie mit Stress gut umgehen?
Matthias Mayer:  Wenn ich zu viel Ruhe in meinem Leben habe, dann habe ich eher Stress. Wenn ich aber sportlich gefordert bin und Druck von außen kriege, dann kommt in mir eine Kraft, die mich fokussiert. Dann kann ich die maximale Energie rausholen.

Audi magazin: Haben Sie das durch Mentaltraining gelernt?
Matthias Mayer:  Ich habe keinen Mentaltrainer, aber ich habe mich immer schon dafür interessiert, wie man mit seinen Gedanken am besten umgehen kann. Da verdanke ich auch viel meiner Mutter, weil ich von ihr viel über innere Ruhe gelernt habe.

Audi magazin: Es gibt ja leider auch schwere Unfälle im Skisport, gerade in den Speeddisziplinen. Haben Sie manchmal Angst vor einem Rennen oder einem Trainingslauf?
Matthias Mayer:  Natürlich kommen mir manchmal Gedanken, dass etwas passieren könnte. Aber im Skisport hat man immer ein Restrisiko, das kann man nicht wegdiskutieren und auch nicht ausblenden. Ich gehe trotzdem nicht mit Angst auf die Strecke, sondern mit dem nötigen Respekt. Eine gewisse Anspannung ist auch notwendig, um konzentriert bei der Sache zu sein.

Audi magazin: Wie sehen Ihre Ziele für die nächste Saison aus?
Matthias Mayer:  Ich habe die Saison sehr gut beendet und das Ziel ist sicher, dass ich bei den ersten Speedbewerben der neuen Saison wieder dort anschließen kann, wo ich heuer aufgehört habe. Aber das größte Ziel ist, dass ich konstant bei jedem Rennen eine gute Leistung bringe. Ich werde im Sommer sehr viel Riesentorlauf trainieren, um da speziell fit zu sein. Es wird sicher wieder eine anstrengende Saison. Mit Riesentorlauf, Super G und Abfahrt ist man noch mehr gefordert und noch mehr unterwegs.

Audi magazin: Was ist Ihr Gegenpol zum Skifahren?
Matthias Mayer:  Mit meinen Freunden Zeit verbringen, das ist sehr wichtig. Wenn ich zu Hause bin, unternehmen wir immer was, ob das jetzt Mountainbiken ist oder Fußball spielen oder wandern oder einfach nur am See liegen. Das sind die Momente, aus denen ich mir im Sommer die Energie hole, die ich dann im Winter gezielt einsetzen kann.

Audi magazin: Aktuell fahren Sie einen Audi RS 4. Zufrieden damit?
Matthias Mayer:  Auf jeden Fall, er ist das perfekte Auto. Vom Platzangebot, vom Fahrkomfort optimal. Er ist wirklich angenehm zu fahren. Wenn ich in den Modus dynamic schalte, dann geht echt was weiter, und im Modus comfort kann man sehr entspannt dahinfahren. Der Avant ist auch sehr fein, weil ich im Kofferraum alles unterbringe, was ich mitnehmen muss. Und das ist nicht wenig.

Audi magazin: Sind Sie beim Autofahren eher der Cruiser oder der Racer?
Matthias Mayer:  Ich gebe schon einmal gerne Gas, aber wenn ich fünf Stunden im Auto fahre, dann bin ich mehr für ausgewogenes Dahingleiten.

Audi magazin: Abgesehen vom RS 4: Was ist Ihr Audi Traumauto?
Matthias Mayer:  Der R8 Spyder – der würde mich schon einmal reizen.