Mädels, unterschätzt euch nicht!

Lorraine Huber zählt zu den besten Freeriderinnen der Welt. Nach dem Karriereende geht es für sie als Förderin von Mädchen und Frauen weiter – Stichwort „Women’s Progression Days by Lorraine Huber“.

Lorraine Huber fährt außergewöhnlich gut Ski. So gut, dass sie sich Freeride-Weltmeisterin 2017 nennen darf. Das brachte eine Menge an Auszeichnungen mit sich. Sie war unter anderem „Sportlerin des Jahres“ in Vorarlberg, erhielt das Sportehrenzeichen des Landes Vorarlberg und den „Goldenen Arlenzweig“ des Ski-Club Arlberg.

2018 und nach Rang drei auf der Freeride World Tour, war Schluss. Lorraine verabschiedete sich in Verbier „mit der besten Leistung meiner Karriere“ vom Spitzensport. „Ein schöneres Ende hätte ich mir nicht wünschen können“, sagt sie. „Ich habe zwar nicht gewonnen, aber man muss die Einschätzung der eigenen Leistung von den Punkten, die man bekommt, trennen. Ich habe diesen Lauf besser absolviert, als ich ihn visualisiert gehabt habe, das war großartig“, erzählt sie.

Im Fall der Lorraine Huber, die, wenn sie nicht auf Skiern unterwegs ist, einen Audi Q2 pilotiert, heißt Karriereende, aber nicht Karriereende. „Als Freerider bleibt man Profi, auch wenn man keine Wettkämpfe mehr bestreitet. Das unterscheidet uns von den Alpin-Rennläufern. Der sportliche Schlussstrich fiel der 38-jährigen leicht: „Es ist einfacher, im Hoch aufzuhören, als wenn es nicht mehr so gut läuft.“ Wenngleich sie es genossen habe, die vorgegebenen Strukturen und ihre Routine zu nutzen und mit Gegnerinnen zu kämpfen, die zugleich Freundinnen seien.

Das Buch „Spitzensport“ ist also zugeklappt. Jetzt widmet sich die Vorarlbergerin einer Geschichte, die sie zwar schon seit über zehn Jahren verfolgt, der sie aber jetzt ihre ganze Aufmerksamkeit widmen kann – den „Women’s Progression Days by Lorraine Huber“. Von  28. bis 31. März 2019 findet am Arlberg das „WPD Skitouren Camp presented by Audi“ statt. „Ich bin sehr stolz, meine bestehende Kooperation mit Audi zu intensivieren und freue mich auf ein tolles Camp mit einzigartigen Persönlichkeiten im besten Skigebiet der Welt“, wie sie lächelnd angibt.  

Die Idee ist simple und genial. Lorraine bietet Freeride- und Skitouren-Camps ausschließlich für Frauen an. Erstmals 2008 durchgeführt, entwickelten sich die „Women’s Progression Days by Lorraine Huber“ zum Renner. „Freeriden bedeutet für mich Freiheit. Und es ist mir ein Anliegen, Frauen die gleiche Freude daran zu vermitteln, wie ich sie habe“, sagte Lorraine.

„Sie meinen oft, dass sie zu schwach sind – was Unsinn ist.“ Und Frauen würden generell dazu neigen, sich zu unterschätzen. „Bei den Männern ist eher das Gegenteil der Fall“, lacht sie. „Und daher trauen sich viele Mädels das Freeriden nicht zu, obwohl sie es natürlich draufhätten. Ich sage: ‚Mädels, unterschätzt euch nicht!‘.“ Bei den „Women’s Progression Days“ nimmt sie den Geschlechtsgenossinnen eine Hemmschwelle schon dadurch, dass die Damen unter sich sind. „Sie finden das Ganze megacool, die Stimmung ist großartig“, erzählt sie.

Das gelte nicht nur für das Freeriden an sich, sondern auch für die gesamte gemeinsame Zeit im Arlberggebiet: „Wir richten bei der Bergstation Schlegelkopf die Audi Chill-Out-Area ein. Wir tauschen uns aus, machen viel gemeinsam und schauen Freeride-Filme. Wir haben Spaß“, bringt es Lorraine auf den Punkt. Ein weiterer Faktor sei auch nicht ganz unbedeutend, womit wir wieder kurz den Spitzensport streifen: „Klar taugt es den Mädels, wenn sie mit einer Weltmeisterin fahren können. Ich fahre bei den ‚Women’s Progression Days‘ auch mit jeder Gruppe einen Tag lang.“ Das sei den Damen schon wichtig, „aber ich nehme mich nicht zu wichtig. Das Beste ist, wenn alle nachhause fahren und sagen, dass sie tolle Tage gehabt und neue Freundinnen gewonnen haben.“

Neben den „Women´s Progression Days“ geht Lorraine ihrer Leidenschaft, dem Filmen, nach. „Mit Filmprojekten werde ich mich auf jeden Fall auch weiterhin beschäftigen“ erklärt sie. Von einem „Pensionsschock“ kann bei Lorraine also keine Rede sein: „Ganz sicher nicht. Mir wird nicht langweilig.“
 

Lorraine's Instagram Channel
Lorraine Huber

Fotocredits
Titelbild: alexkaiser.at
Foto #1: Martial Gobet
Foto #2: Alena Paschke