Aksel Lund Svindal im Interview

Nachträglich Gratulation zu deinem 35. Geburtstag am 26. Dezember. Was wünschst du dir außer Gesundheit und Weltfrieden?
Wenn man so kurz nach Weihnachten Geburtstag hat, gibt es nicht mehr so viele Wünsche, da die meisten schon auf der Weihnachtsliste standen.

Du bist nach Kjetil-Andre Aamodt und Lasse Kjus der erfolgreichste norwegische Skirennläufer der Geschichte. Kannst du in Sachen Popularität mit den Langläufern mithalten oder ist das in Norwegen unmöglich?
Langlaufen ist in Norwegen als Sport wesentlich größer, da es so viele Athleten gibt die Weltcuprennen gewinnen können. Was die einzelnen Sportler und ihre Popularität anbelangt, sehe ich nicht so einen großen Unterschied zwischen Skirennläufer und Langläufern.

Du warst „nur“ einmal Norwegens Sportler des Jahres (2007). Hättest du von deinem Gefühl her den Titel öfter verdient?
Ich mache mir nicht viele Gedanken über solche Titel. Der einzig wahre Wettkampf ist der gegen die Zeit und gegen die anderen Jungs im Rennen. Alles andere empfinde ich mehr als Ehrung, denn als echten Wettkampf.

Wir stehen mitten in der Olympia-Saison. Was war dein kuriosestes Olympia-Erlebnis?
Da gab es ein sehr eigenartiges Rennen – der Super G bei den Spielen 2006 in Turin. Einige Läufer (Anm. 17), waren bereits im Ziel, als wegen Nebels unterbrochen wurde. Letztlich durften sie noch einmal starten – auf demselben Kurs. Es hatte keine Auswirkungen auf das Resultat, aber ich habe noch nie einen Super G erlebt, bei dem einige Läufer zwei Mal starten durften.

Kann jemand, der solch schwere Verletzungen überwunden hat wie du, überhaupt jemals mit Sport aufhören oder verspürst du eine Art Sucht nach Sport?
Ich werde kein Problem damit haben, meine Karriere zu beenden, wenn die Zeit dafür reif ist. Ich habe das Glück Teil eines großartigen Sports mit großartigen Kollegen zu sein und ich werde es vermissen, wenn ich aufgehört habe. Aber das Leben ist viel mehr als nur das. Und ich bin sicher, dass andere große Herausforderungen und Erfahrungen auf mich warten.

Apropos Sucht: Wie sehr sehnst du dich nach dem ersten Abfahrtssieg auf der Streif in Kitzbühel, die als die „ultimative Herausforderung“gilt?
Natürlich würde ich zu gerne die Abfahrt in Kitzbühel gewinnen (Anm.: den Super G in Kitzbühel gewann Svindal 2013 und 2016), weil das ein fantastisches Rennen ist. Aber die Streif ist nicht meine Lieblingsstrecke, es gibt Pisten, auf denen ich schneller bin.

Es gibt Sportler, die morgens Übungen machen müssen, um aufstehen zu können. Wie geht es dir nach dem Aufwachen?
Leider werde ich auch langsam zu einem Mitglied dieser Gruppe. Ich muss einiges machen, bevor ich ans Skifahren denken kann.

Welchen Beruf würdest du heute ausüben, wenn du nicht Rennläufer geworden wärst?
Auf jeden Fall etwas, das auch mit Wettkampf zu tun hat. Ich mag es hart zu arbeiten und dann im Wettkampf bestmöglich zu performen.

Norwegen ist eine echte Sport-Nation, nicht nur im Wintersport. Was machen die Norweger systembedingt anders oder besser als andere Länder?
Danke für die Blumen. Aber ich glaube schon, dass wir in erster Linie im Wintersport richtig gut sind. Meiner Meinung nach sind die Norweger sehr gut darin im Team zu arbeiten. Davon profitieren viele, ich glaube, das ist ein Hauptgrund.

2026 könnten die Olympischen Winterspiele in Norwegen stattfinden. In welcher Rolle würden wir Aksel Lund Svindal dort sehen? Als OK-Chef oder eher als Volunteer?
Ich sehe mich am ehesten in der Rolle des Zuschauers. Hoffentlich mit meiner Familie und guten Freunden. Aber zu 100 Prozent sicher ist nur, dass ich nicht mehr als Rennläufer dabei sein werde.

 

Fotocredits: Red Bull Content Pool und Jan von Endert