Ich muss nicht im Rampenlicht stehen

Vor fünf Jahren wechselte Florian Grillitsch von der Fußballakademie St. Pölten in die A-Jugendmannschaft von Werder Bremen. Heute spielt der 23-jährige Niederösterreicher mit der TSG 1899 Hoffenheim in der Champions League und hat 13 Teameinsätze mit der Nationalmannschaft in den Beinen.

Dein Coach bei Hoffenheim, Julian Nagelsmann, ist mit 31 Jahren der jüngste Trainer in der deutschen Bundesliga. Er gilt als Deutschlands heißeste Trainer-Aktie. Was ist das Besondere an ihm, was unterscheidet ihn von deinen bisherigen Trainern? 
Florian Grillitsch: „Julian Nagelsmann ist bereits sehr früh ins Trainergeschäft eingestiegen, und wie man sieht, ist er mit Hoffenheim bislang überaus erfolgreich. Trainer untereinander zu vergleichen ist immer schwierig, weil jeder seine eigene Philosophie hat. Julian verfügt aber definitiv über eine besondere Sicht auf den Fußball, ist taktisch sehr kreativ und detailversessen – es hat Hand und Fuß, wie er uns auf jedes Spiel einstellt.“ 

Ist Nagelsmann eine Inspiration für dich, später selbst eine Trainerkarriere zu starten?
Grillitsch (grinst): „Puh, ich bin 23, da habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht, ob eine Trainerkariere für mich in Frage kommt. Erstmal will ich noch viele Jahre auf dem Platz stehen und dort erfolgreich sein.“ 
    
Du hast beim Champions-League-Debüt Hoffenheims gegen Shaktar Donetsk (2:2) den ersten Treffer für die Sinsheimer in der Königsklasse erzielt und damit Geschichte geschrieben. Wird man von dir künftig mehr Tore sehen, immerhin warst du in deiner Zeit im Nachwuchs von St. Pölten U 18 Torschützenkönig.
Grillitsch: „Tore schießen ist immer schön und natürlich könnten es gern noch mehr sein bei mir. Aber ich bin kein Stürmer oder Zehner wie damals bei St. Pölten, sondern werde als zentraler Mittelfeldspieler eingesetzt, wo ich vorranging andere Aufgabe habe. Nichtsdestotrotz versuche ich, auch torgefährlicher zu werden und mich da zu verbessern. Der Treffer in der Champions League gegen Shaktar Donetsk war ein unglaublich schönes Gefühl – ich hätte nichts dagegen, das öfter zu erleben (grinst)."

Dein Ex-Werder-Kumpel Zlatko Junuzovic ist mit 31 Jahren heimgekehrt. Du hast selbst nie in der Österreichischen Liga gespielt, wie wahrscheinlich ist es, dass du deine Karriere daheim ausklingen lässt?
Grillitsch: „Das ist aus heutiger Sicht schwer zu sagen, weil man nie weiß, wie die Karriere verlaufen wird. Es ist ja bekannt, dass für einen jungen österreichischen Fußballer andere Ligen wie die Bundesliga reizvoller sind. Darauf liegt derzeit mein Fokus, alles andere wird man dann sehen.“

Stichwort Nations League: Nach der Auswärtsniederlage gegen Bosnien ist am 12. Oktober gegen Nordirland ein Sieg Pflicht, wie schätzt du den Gegner ein und wie gehst du persönlich mit Drucksituationen um?
Grillitsch: „Nordirland ist körperlich sehr präsent, spielt eher längere Bälle – aber das werden wir noch genauer im Vorfeld des Spiels analysieren. Ein gewisser Druck gehört im Fußball dazu, und ich habe auch schon einige Spiele gemacht, das ist für mich kein Problem. Zumal man auch nicht vergessen sollte, dass es letztlich – in Anführungsstrichen - nur um Fußball geht und nicht um mögliche schlimmere Dinge im Leben. Aber klar: Wir wollen das Spiel unbedingt gewinnen und werden alles daran setzen, dass uns das gelingt.“

Durch die Verletzung von ÖFB-Kapitän Julian Baumgartlinger bist du im zentralen Mittelfeld noch mehr in der Verantwortung, was muss im Vergleich zum Bosnien-Spiel besser werden?
Grillitsch: „Unsere Spiele vor dem Duell mit Bosnien waren sehr gut, daran müssen wir wieder anknüpfen. Wir waren auch gegen Bosnien spielbestimmend, aber letztlich nicht so zwingend und haben gewisse Sachen nicht so gut gemacht. Wir müssen Dinge wie ein schnelles Umschalten wieder besser hinbekommen und letztlich eben auch die Tore schießen.“

Du gilst als Spieler ohne Eskapaden und Statussymbole, bist auch kein großer Sprücheklopfer – für einen Fußballer fast ungewöhnlich. Wie viel Show, Glitzer und Glamour sind notwendig um den Fan von heute bei Laune zu halten?
Grillitsch: „Natürlich gibt es Spieler, die mehr polarisieren oder insgesamt mehr in der Öffentlichkeit stehen. Ein Stürmer, der viele Tore schießt, steht wohl auch generell mehr im Mittelpunkt als ein defensiver Mittelfeldspieler. Aber ich bin total zufrieden damit, wie es bei mir ist, ich muss nicht im Rampenlicht stehen.