Genug ist nicht genug

Matthias Schwab hat Bernd Wiesberger als besten Österreicher in der Golf-Weltrangliste abgelöst. Der Schladminger Audi Athlet hat noch viel vor und spricht über Coolness, seinen Betreuerstab, den Jetlag – und natürlich über Tiger Woods.

Heimlich, still und leise hat im österreichischen Golfsport eine kleine Wachablöse stattgefunden. Im Februar war erstmals seit vielen Jahren nicht Bernd Wiesberger, sondern Mattias Schwab der bestplatzierte Österreicher in der Weltrangliste. Der Steirer nähert sich den Top 200.

Mit dem Saisonstart – zwei Top Ten Plätze, Top 50 im Race To Dubai (Stand nach den China Open) – ist Schwab nicht unzufrieden, aber auch nicht restlos glücklich: „Meine Ergebnisse waren okay, aber für meinen Geschmack etwas zu durchschnittlich. Da gibt es sicher noch Potenzial nach oben“, sagt er und legt sich die Latte für 2019 hoch. Weil man ja immer nach Höherem strebt, soll am Ende des Jahres ein besserer Rang als der 72. im Race To Dubai zu Buche stehen. Das primäre Ziel ist bescheiden: „Ich will möglichst viele Turniere gut spielen.“ So weit, so gut. Aber: Der Nachsatz zeigt, dass sich der 24-Jährige durchaus reif für Großes fühlt: „Wenn ich vier Tage gut spiele, könnte auch ein Sieg auf der European Tour möglich sein. Und für die Top 50 im Race To Dubai sollte es am Saisonende schon reichen.“

Cool und fokussiert

Schwab spielt für sein Alter bereits ziemlich abgebrüht. Es fällt auf, dass er in der vergangenen Saison oft, wenn es um den Cut oder ein Top-Resultat ging, auf den letzten Löchern die notwendigen Birdies gespielt hat. „Hin und wieder gelingt das, aber leider nicht immer“, lächelt er. „So etwas kann man auch nicht trainieren. Aber ich bin auf der Runde ein ruhiger Typ und versuche meinen Plan durchzuziehen.“ Die vielen Turniere, die er als Amateur in USA gespielt hat, kämen ihm zugute, „dort habe ich schon sehr viel Erfahrung gesammelt.“

Nervosität kennt Schwab praktisch nicht, daher kümmert es ihn grundsätzlich eher nicht, wie er liegt. „Klar weiß ich meistens, wo der Cut liegt oder welche Position ich im Turnier gerade einnehme, weil sich entsprechende Informationstafeln ja nahezu bei jedem Loch befinden“, erklärt er. „Aber darauf schaue ich eher nicht – außer ich komme in eine Situation, in der ich das wissen muss. Eben, wenn es zum Beispiel um den Cut geht.“

Als Golfprofi wird man zum Vielflieger, weil die „European Tour“ längst nicht auf Europa beschränkt ist, sondern auf vier Kontinenten ausgetragen wird. Im Mai flog Schwab nach Marokko, von dort nach China und retour nach Großbritannien. Und der Jetlag fliegt mit. „Mit Hilfe meines Sporttherapeuten habe ich mir bestimmte Verhaltensweisen während der Reise und am Zielort, Essensgewohnheiten, Schlafverhalten und andere Dinge angeeignet“, sagt er. „Das hilft, um mit dem Jetlag besser zurechtzukommen. Aber auch da kann ich noch besser werden. Nein, ich muss besser werden.“ Genug ist nicht genug, egal ob auf dem Platz, in der Kraftkammer oder im Flugzeug. Oder im Auto, wobei er sich dort der Perfektion nähert: „Ich bin sehr glücklich mit meinem Audi Q5. Ich komme nur zu wenig zum Fahren, weil ich so viel im Flieger sitze“, grinst er.

Rundumbetreuung

Inzwischen beschäftigt Schwab eine Heerschar an Betreuern – eine Notwendigkeit im Spitzensport, um sich ausschließlich auf seine Hauptaufgabe konzentrieren zu können. Für das Management sind Chubby Chandler und Jack Barber von ISM verantwortlich, Simon Hartweger begleitet Schwab als Caddie, Schwungtrainer ist Willi Hofmann, die Betreuung bei Turnieren übernehmen Robert Rock und Liam James, Putt-Trainer ist Mike Kanski. Dazu kommen der Sporttherapeut Josef Percht-Iurlov und zwei Ärzte, wenn nötig. Und schließlich werken im Hintergrund noch Matthias‘ Eltern. „Es geht heute nicht mehr anders. Gewöhnlich dauert es sehr lange, bis man als Golfer auf einer der großen Touren konkurrenzfähig wird. Da muss das Gesamtpaket stimmen“, stellt die ehemalige Nummer 1 der Amateur-Europarangliste fest. „Dafür kann man aber auch 20 oder 30 Jahre auf einem hohen Level Turniere spielen. Nur ganz wenige Ausnahmen kommen und gewinnen gleich.“ Was sich in den letzten Jahren aber besonders entwickelt habe, sei die Dichte: „Es gibt immer mehr Spieler, die Turniere gewinnen können.“

Eine Runde mit dem Tiger

Schwab ist nicht dafür bekannt, sich aus dem Fenster zu lehnen. Er ist bescheiden, aber fokussiert. Seine Aussagen sind wohlüberlegt, seine Prognosen niemals überzogen. Nur bei einem Thema wird auch der coole Schladminger fast emotional: Augusta. „Natürlich will ich unbedingt einmal das US Masters spielen, das will ja jeder“, lacht er, „aber auch eine Olympiateilnahme und der Ryder Cup sind große Ziele.“

Und wenn schon, dann würde er sich einen speziellen Flight-Partner aussuchen. Mit Rory McIlroy oder Patrick Reed spielte er schon, einer fehlt: „Ich bin immer noch, wie schon als Schüler, ein Fan von Tiger Woods. Mit ihm zu spielen muss schon cool sein. Allein die Zuschauermassen, die ihm bei jedem Loch folgen...“ Für Schwab war der Sieg von Woods beim diesjährigen Masters „das Jahrhundert-Comeback im Sport und enorm wertvoll für den gesamten Golfsport. Tiger bringt der Golfwelt wieder einen Aufschwung. Ihn kennen sogar Leute, die sonst mit Golf nichts zu tun haben. Das sagt alles über seinen Bekanntheitsgrad und seine Bedeutung.“

Fotocredits: GEPA pictures und Markus Rohrbacher