Fasten your seatbelts

Raus auf den Zitterbalken, runter in die Tiefe, Kante erwischen, über den Ski und auf Weite kommen, ein lang gezogenes Zieh in den Ohren. Die weltbesten Skispringer starten am kommenden Wochenende die Jagd auf Meter, Medaillen und Weltcupkugeln. Die Saison ist reich an Höhepunkten, eine tolle Flugshow steht bevor.

Es ist angerichtet: Sofern der Wind im Korridor bleibt, erfolgt am 18. November in Wisla der Absprung in die Weltcupsaison 2017/18. Das ist insofern in Stein gemeißelt, da die Anlage unabhängig von Temperatur und Wärmeeinbrüchen bereits vor zwei Wochen in winterlich weiße Kleider gepackt wurde. Möglich macht das eine polnische Firma, die technisch produzierten Schnee mit einer Art Thermomatten kompakt hält. Als weiteres Goodie wurde an der Adam-Malysz-Schanze eine neue Eis-Anlaufspur installiert. Neben den perfekten Rahmenbedingungen ist den Weitenjägern auch eine lautstarke Kulisse garantiert, der Saisonauftakt ist bereits seit Wochen ausverkauft.

Zwei Wochen nach den Herren starten die Damen in Lillehammer durch. Während für Stefan Kraft und Co. im Olympiawinter 29 Weltcupspringen und fünf Teambewerbe auf dem Programm stehen, ist der Terminkalender der Damen mit 14 Einzel- und zwei Teamspringen überschaubarer. Für beide Geschlechter gleich ist hingegen eine Regeländerung im Bereich der Qualifikation. Die Teilnahme an dieser ist für alle ab sofort verpflichtend, die Tage, an denen die Top 10 des Gesamtweltcups die Ausscheidung im Vorfeld der Einzelwettbewerbe auslassen konnten, sind somit gezählt.

DIE AUSGANGSPOSITION

Stefan Kraft und Sara Takanashi sind als Titelverteidiger in der Rolle der Gejagten. Die zierliche Japanerin, die bereits 53 Weltcupsiege schwer ist, hatte in den vergangenen fünf Jahren in der Endabrechnung nur einmal das Nachsehen. 2014/15 musste sich die 21-jährige Sportstudentin unterm Strich der Österreicherin Daniela Iraschko-Stolz geschlagen geben. Das wird in diesem Winter nicht passieren, da die Steirerin nach ihrer neuerlichen Knieoperation mit Verspätung in die Saison einsteigen wird und auf die Olympischen Spiele hoffen muss. Gleiches gilt für Gregor Schlierenzauer, der nach einem Seitenbandriss im Knie auf sein Comeback hinarbeitet und spätestens in Pyeongchang am Punkt sein möchte. Letzteres bleibt Severin Freund und Kenneth Gangnes leider verwehrt, beide fehlen nach einem Kreuzbandriss die gesamte Saison, der Norweger schließt ein Karriereende nicht aus. Mit Sicherheit zurücktreten wird Jakub Janda, der frühere Gesamt-Weltcupsieger (2005/06) zieht für die liberalkonservative Partei ODS in seinem Geburtskreis Mährisch-Schlesien rund um Ostrava ins Parlament ein.

Trotz der prominenten Ausfälle ist die Liste an potenten Jägern lang, speziell bei den Herren ist einiges an Würze drinnen. Dafür sorgen die mannschaftsstarken Polen rund um Kamil Stoch und Maciej Kot, die von Andre Daniel Tande angeführten Norweger, das slowenische Brüderpaar Peter und Domen Prevc, oder die Deutschen Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler. Die Hoffnungen der Österreicher ruhen neben Kraft vor allem auf Michael Hayböck, der nach seiner Sprunggelenksverletzung rechtzeitig fit ist, und Manuel Fettner. Bei den heimischen Damen darf man keine Wunderdinge erwarten, mit Chiara Hölzl startet lediglich eine der ÖSV-Top-Springerinnen sorgenfrei in den Weltcup. Jacqueline Seifriedsberger fiel in der Vorbereitung wegen einer Meniskusblessur zwei Monate aus, Eva Pinkelnig ist nach ihren Stürzen in der Vorsaison noch nicht in Topform.

DIE FLUGRICHTUNG

Vor Weihnachten wird noch in Finnland, Russland, Deutschland und der Schweiz um Weltcuppunkte gesprungen, zum Jahresausklang startet mit der Vierschanzentournee dann der erste Saisonhöhepunkt. Nach dem Finale in Bischofshofen wird auf die Flugschanzen übersiedelt. Zunächst auf den Kulm, dann nach Oberstdorf, wo von 19.-21 Jänner um WM-Medaillen geflogen wird. Nach den Weltcupspringen in Zakopane und Willingen geht es nach Südkorea zu den Olympischen Spielen und dem eigentlichen Leckerbissen der Saison. Zurück in Europa folgt auf das Weltcup-Wochenende in Lathi mit der zweiten Auflage der Raw-Air Serie in Norwegen ein weiterer Hingucker. Der Saisonausklang geht traditionell Ende März in Planica über die Bühne, spätestens dann sind die große und kleine Kristallkugel für die Gesamtweltcupsieger im Skispringen und –fliegen vergeben.