Die Stoppuhr im Anschlag

In Atzenbrugg wird heuer Golf-Geschichte geschrieben. Das „Shot Clock Masters“ ist das weltweit erste Profi-Turnier, bei dem die Spieler von Referees permanent angehalten sind schnell zu spielen.

„Ich glaube, der tickt nicht richtig.“ Die durchaus gängige Beurteilung eines Mitmenschen bekommt von 7. bis 10. Juni eine völlig neue Bedeutung. Denn dann bedeutet es, dass ein Profi-Golfer zu langsam spielt und mit Konsequenzen zu rechnen hat. Das European-Tour-Turnier in Atzenbrugg wird sich heuer jedenfalls einen Eintrag in die Geschichtsbücher sichern. Denn das „2018 Shot Clock Masters“ im Diamond Country Club ist das erste Turnier im Profi-Golf, bei dem die Spieler nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung haben, um den Ball zu schlagen. Bei Verstößen drohen Strafschläge. Damit soll eine Turnierrunde um bis zu 45 Minuten verkürzt und für Zuschauer und TV-Konsumenten interessanter werden.

Der Aufwand dafür ist beträchtlich: „In unserer Turnierwoche herrscht für die Referees der European Tour eine Urlaubssperre“, weiß Turnier-Veranstalter Ali A. Al-Khaffaf. Und weil es Referees nicht gibt wie Sand am Meer, umfasst das Feld in Atzenbrugg auch nicht wie üblich 156 Spieler, sondern nur 120. „Das macht je 20 Flights am Vormittag und am Nachmittag. Bei jeder Gruppe ist ein Mann von der Tour mit der Stoppuhr dabei“, erklärt Al-Khaffaf. Allein 20 offizielle „Zeitnehmer“ sind beim mit einer Million Euro dotierten Event dabei.

Und so funktioniert das „Shot Clock Masters“: Der erste Spieler im Flight hat 50 Sekunden Zeit für seinen Schlag, die folgenden Spieler je 40 Sekunden. Für „Spielverzögerung“ kassiert man einen Strafschlag. Zu sehen ist das am Leaderboard anhand einer roten Karte neben dem Namen. Al-Khaffaf: „Dass die Spieler zwei und drei für ihren Schlag zehn Sekunden weniger bekommen, liegt daran, dass sie sich ohnehin länger vorbereiten können.“

Die Regel gilt übrigens auch für Bälle, die „Mitte Wald“ liegen, wobei es im Ermessen des Referees liegt, wann er auf den Knopf der Stoppuhr drückt. Fest steht aber auch, dass die Caddies eine noch größere Verantwortung bekommen. „Sie machen ja das Course Management, dementsprechend müssen auch sie sich mehr beeilen als sonst und sehr fix sein“, sagt der Turnierdirektor. Langsames Spiel wurde in Extremfällen auch bisher bestraft, der betroffene Spieler wurde dann von einem Offiziellen „auf die Uhr genommen“ und musste sich mehr sputen. In Niederösterreich wird aber erstmals im Profi-Golf bei jedem Flight ein Referee mit Stoppuhr dabei sein.

Die Idee zum „Shot Clock Masters“ kam von der European Tour, weil deren Chef Keith Pelley eine Beschleunigung des Spiels ein großes Anliegen ist. Deshalb gibt es inzwischen unter anderem ein 6-Loch-Turnier über zwei Tage in England  oder eine Mischform aus Zähl- und Lochwettspiel in Belgien, bei denen der Show-Charakter zunimmt. „Der Spielerrat, dem auch Ryder-Cup-Captain Thomas Bjørn und Bernd Wiesberger angehört, hat unserem Format zugestimmt. Die Profis wollen trotz allem ein traditionelles Turnier spielen, wenn auch angepasst an die heutige Zeit“, erklärt Al-Khaffaf.

Die Betroffenen stehen der Shot Clock positiv gegenüber. Matthias Schwab, der sein erstes volles Jahr auf der European Tour spiel, sieht die Entwicklung höchst positiv: „Ich bin sehr dafür. Schnelles Spielen ist mir grundsätzlich lieber, das entspricht mehr meinem Stil, ich bin kein Zauderer. Ich freue mich schon sehr darauf“, sagt der Steirer, der seit seinem Einstieg ins Profigeschäft mit einem Audi Q5 unterwegs ist, sofern er nicht im Flugzeug sitzt.

Auch Audi Athlet Lukas Nemecz ist gespannt: „Aus Spielersicht kann ich erst urteilen, wenn ich es erlebt habe, aber ich kann mir vorstellen, dass es einige Diskussionen geben wird, ab wann die Uhr zu ticken beginnt. Für die Zuschauer ist die Shot-Clock interessant. Schließlich ist es besser, den Ball 50 Meter nach vor zu chippen, als man riskiert einen Strafschlag.“

Erstellt am 25.04.2018