Die Freude fährt immer mit

Nach seiner Siegesfahrt auf der legendären Streif, der Bestätigung durch den Erfolg in Kvitfjell und Rang drei im Abfahrts-Gesamtweltcup kann man Thomas Dreßen getrost als Senkrechtstarter des vergangenen Ski-Winters bezeichnen. Im Rahmen des DTM-Wochenendes auf dem Red Bull Ring lässt der 24-jährige Deutsche seinen Sommer Revue passieren, spricht über Erfolgsgeheimnisse und seine Affinität zu schnellen Autos und bulligen Motorrädern.

Thomas, du bist gebürtiger Deutscher mit einem stark ausgeprägten Österreich-Bezug. Erst hast du neun Jahre bei uns die Schule besucht, dann hat es dich privat nach Oberösterreich verschlagen. Ganz allgemein, was können sich die Österreicher von den Deutschen abschauen und umgekehrt?
Als Deutscher kannst du dir viel abschauen. Die Österreicher sind ein bisschen lockerer, gemütlicher und teilweise auch ein bisschen freundlicher. Bei den Österreichern ist mir aufgefallen: Pünktlichkeit ist nicht ihre ganz große Stärke. Das ist das, was du als Deutscher als erstes lernst. Aber im Großen und Ganzen sind Deutsche und Österreicher nett – und das ist das Wichtigste.

Du bist der Frontmann eines starken und aufstrebenden Speedteams, hast gemeinsam mit Joseph Ferstl und Andreas Sander dafür gesorgt, dass die jahrzehntelange Erfolglosigkeit der deutschen Herren in den schnellen Disziplinen ein Ende genommen hat. Wie war die Resonanz daheim und was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Es hat sich jeder mit uns über die Erfolge gefreut, und das ist das, was mich selbst am meisten freut. Was uns stark macht, ist, dass wir uns gegenseitig unterstützen und uns mit den Teamkollegen freuen, wenn sie schnell sind. Dadurch herrscht immer gute Stimmung. Und im Training pushen wir uns gegenseitig, weil wir mittlerweile wissen, dass, wenn einer einen guten Tag hat, er ganz vorne mitfahren kann. Das gibt dir selbst auch mehr Motivation für das Training. Da haben wir inzwischen eine sehr gute Mischung.

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Wie läuft die Vorbereitung, wann hast du wieder zu trainieren begonnen und was darf man von dir und deinen Team-Kollegen heuer erwarten?
Ich hab‘ zwei Wochen Urlaub gehabt, dann hat schon wieder das Konditionstraining begonnen. Das erste Schneetraining hatten wir im August. Am 15. sind wir nach Chile geflogen und waren einen Monat lang dort. Die Verhältnisse waren super, es war anstrengend, aber sehr gut. Und jetzt geht das Training auf den heimischen Gletschern weiter. Zu den Erwartungen: Ich bin nicht der Typ, der sich ein Ergebnis zum Ziel setzt. Für mich ist wichtig, dass ich mein Maximum abrufen kann. Wie die Form dann wirklich ist, sieht man halt erst beim Weltcup-Auftakt in Lake Louise. Bis dahin steht noch viel Training auf dem Programm. Es bleibt schon noch genügend Zeit, um an seinen Schwächen zu arbeiten (lacht).

Wer sind die größten Konkurrenten um die Abfahrts-Krone?
Das werden wohl wie auch in den letzten Jahren die Österreicher, Schweizer und Norweger sein. Das ändert sich nicht, das wird auch Jahr für Jahr so bleiben.

Im Frühjahr hast du dir eine Harley Davidson zugelegt, jetzt warst du Zaungast bei der DTM-Trophy am Red Bull Ring. Wie ist dein Bezug zu Power und Geschwindigkeit auf zwei oder vier Rädern?
Die Harley ist meine zweite Leidenschaft. Damit bin ich aufgewachsen, weil schon meine Eltern damit unterwegs waren. Daher war es für mich nie ein Thema, etwas anderes zu fahren. Es macht enorm viel Spaß, ich kann super abschalten, wenn ich gemütlich durch die Gegend cruise. Und die DTM ist einfach cooler Motorsport – es ist laut, es ist schnell, es gibt viel Action. Das taugt mir schon sehr.

Du bist im Winter gut tausende Kilometer mit deinem Audi RS4 unterwegs. Welche Musik sollte dein Beifahrer auf keinen Fall auflegen und welche Songs motivieren dich zum Mitsingen?
Grundsätzlich ist zu sagen: Über die Musik entscheidet immer der Fahrer, also hat der Beifahrer kein Mitspracherecht (lacht). Bei mir läuft meistens Rock und am liebsten AC/DC. Und bei AC/DC, das weiß jeder, der mich näher kennt, geh‘ ich ab.

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Erstellt am 24.09.2018