Den Druck hab ich mir immer selbst gemacht

Hannes Wolf gilt als eine der heißesten Aktien im österreichischen Fußball. Der Steirer im Bullendress stemmte schon zweimal den Meisterteller und gehört zur Generation Youth-League-Sieger. Vor dem Europa-League-Gipfel gegen RB Leipzig spricht der 19-Jährige unter anderem über das Bullenduell, seine ersten Idole und seinen speziellen Draht zu Marco Rose.

Am Donnerstag steht das brisante Duell gegen RB Leipzig am Programm. Ist eure imposante Heimserie in der Europa League da in Gefahr?
An diese Bilanz denken wir gar nicht. Für uns ist es in erster Linie wichtig, diesen einen Punkt, den wir zum Aufstieg unter die besten 32 der Europa League brauchen, zu schaffen. Wenn wir das hinkriegen, ist auch diese Erfolgsserie nicht in Gefahr.

Im Interview mit dem Sportmagazin hast du kürzlich gemeint: „Fußball war nie mein Hobby.“ Weil dir von Anfang an klar war, dass es mehr als das ist, weil du einmal professionell dem Ball nachjagen willst. Wer waren eigentlich deine ersten Idole, welche Spieler hast du bewundert?
Ich bin in Graz aufgewachsen - in der besten Phase des GAK. Meine Idole waren deshalb Kollmann, Bazina, Aufhauser. Die hab ich beim Spielen im Garten imitiert. Aber mir war sehr früh klar, dass ich nicht nur zum Spaß kicken, sondern dass ich das einmal beruflich machen will. Der Druck, etwas erreichen zu wollen, kam nicht von außen. Den hab ich mir immer selbst gemacht.

Trotzdem bist du den unüblichen Weg gegangen, bist nicht wie die meisten heimischen Talente mit 15 in eine Akademie gewechselt, sondern hast auf regionaler Basis weitergespielt. Scheinbar der richtige Weg für dich.
Klar war die Überlegung, gleich in eine Akademie zu wechseln, kurz da. Für mich kam diesbezüglich immer nur Salzburg in Frage. Die Sturm-Akademie war kein Thema für mich. Aber ich hab mich damals noch nicht bereit für diesen Schritt gefühlt. In dem Alter von zu Hause wegzugehen, ist nicht einfach. Das Heimweh wäre zu groß gewesen. Im Nachhinein gesehen war’s gut, dass ich noch ein Jahr gewartet hab.

Marco Rose scheint einen besonders guten Draht zu dir zu haben. Welche Rolle spielt der Erfolgscoach von Red Bull Salzburg in deiner Karriere?
Man kann schon sagen, dass er eine riesige Rolle spielt. Er hat meine Entwicklung wesentlich beeinflusst. Seit ich in Salzburg bin, war er ja praktisch immer mein Trainer. Zuerst in der Akademie und als ich bei Liefering gespielt hab, war er in der Youth League mein Coach. Er hat mir von Anfang an die Chance gegeben. Und dieses Vertrauen versuche ich mit guten Leistungen zurückzugeben.

Viele Superstars auf der internationalen Fußballbühne schieben Extraschichten nach dem Training. Cristiano Ronaldo ist nicht nur ein Muskelpaket, er hat sogar einen eigenen Schlafcoach und achtet extrem auf seine Ernährung. Machst du auch vieles zusätzlich zum Mannschaftstraining?
Ich geh gern in die Kraftkammer – egal ob vor oder nach dem Training. Weil’s mir einfach taugt. Und ich schau auf meine Ernährung. Ich versuche so gut es geht Zucker wegzulassen. Das tut mir gut und ich schlaf dadurch auch besser. Aber wenn ich einmal Lust auf Gummibärchen hab, genehmig ich mir trotzdem welche.

Du giltst als sehr ehrgeiziger Spieler. Setzt du dir vor einer Saison auch individuelle Ziele? Abgesehen von den Zielen, die man sich als Team vornimmt, wie Meistertitel oder Cupsieg.
Sicher, aber ich denke, das sollte jeder tun. Mein Ziel ist es in erster Linie Konstanz in meine Leistungen zu bringen. Das heißt, so wenig Ausreißer nach unten wie möglich zu haben. Und ich nehm mir auch immer vor, dass meine Torausbeute zweistellig wird. Abgesehen davon ist es mir wichtig, mich von Jahr zu Jahr nicht nur sportlich, sondern auch menschlich weiterzuentwickeln. 

Wie regenerierst du nach einem Match am besten, kannst du schnell und gut abschalten nach 90 Minuten voller Emotionen?
Nach den Spielen fahr ich gern ins Trainingszentrum und geh zum Beispiel in die Sauna oder entspanne im Wasser. An Schlaf ist nach einem Match eh nicht zu denken. Vor drei oder halb vier Uhr Früh kann ich nie einschlafen. Wenn meine Eltern oder mein Bruder im Stadion sind, wird das Spiel natürlich noch einmal analysiert. Aber immer nur über Fußball zu sprechen, wird mir manchmal zu viel.

Nach der erfolgreichen Qualifikation wartet mit der U21-EM in Italien und San Marino nächsten Sommer das nächste Highlight auf dich. Was ist drin für die rot-weiß-rote Boygroup?
Schwer zu sagen, bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit. Ich glaub aber, dass wir eine sehr gute Mannschaft haben. Es sind viele Jungs mit großem Potenzial dabei. Der eine oder andere, der schon im A-Team gespielt hat, aber noch für die U21 spielberechtigt ist, wird uns vielleicht verstärken. Klar ist, wir wollen so weit wie möglich kommen. Und dafür werden wir unser Bestes geben.

Das A-Team wäre auch für dich der logische nächste Schritt. Hast du dieses Ziel schon im Hinterkopf?
Die wenigsten wissen, dass ich unter Marcel Koller schon einmal bei einem Lehrgang dabei war. Ich kam damals aber beim Spiel nicht zum Einsatz. Das A-Team ist natürlich ein Ziel von mir. Es gab auch schon Gespräche mit Franco Foda und Peter Schöttel. Aber ich mach mir keinen Stress, lass das alles auf mich zukommen.