Catcher Car 2019.
Der neue Audi e-tron.

Senad Grosic verkörpert die personifizierte Urgewalt im BMX-Sattel. Mehr Riegel als Riese, mehr Akrobat denn Ausdauersportler. Wendig im Abgang, voll im Saft und einiges mehr - aber sicher kein Läufer im klassischen Stil.

Dem zum Trotz hat der Freestyler den Wings for Life World Run Jahr für Jahr rot im Kalender angestrichen. Dem Laufspektakels der anderen Art ist auch Versehrtensportler Reinhold Sampl verfallen. Der Audi Markenbotschafter, der im Bereich Fahrhilfe als Tester und Berater tätig ist, pilotiert seit der Premiere 2014 die bewegliche Ziellinie. Als Catcher Car kommt heuer erstmals der Audi e-tron zum Einsatz.

Senad, Hand auf´s Herz, warum und wie regelmäßig schnürst du deine Laufschuhe?
Wenn es hoch kommt, einmal pro Woche. Mir fehlt ganz ehrlich der Fun-Faktor, zudem sind meine Gelenke nicht mehr so geschmiert. Ich arbeite daher mehr am Hometrainer. Das ist zwar auch nicht immer ein Schenkelklopfer, aber was sein muss, muss sein.

Trotzdem hast du bisher keinen Wings for Life World Run ausgelassen und stehst heuer zum sechsten Mal am Start, warum?
Weil die Idee sehr speziell und es in der Gemeinschaft etwas anderes ist. Du erfährst so viele positive Momente, lernst extrem lässige Menschen und deren Geschichte kennen. Es macht einfach Spaß, die Überwindung fällt leichter, du machst anderen Beine, oder wirst selber mitgezogen. Der Gruppeneffekt hat buchstäblich einen Turboeffekt.

Du bist bekanntlich nicht auf den Mund gefallen, an welche Unterhaltung im Rahmen des Wings for Life World Run denkst du mit Schmunzeln zurück?
Letztes Jahr bin ich vom Start weg bis zum Catch mit dem Extremskifahrer Fabian Lentsch gelaufen. Ich war und bin selber viel auf Reisen, aber was der Typ auf der Suche nach dem perfekten Tiefschnee erlebt hat, ist der Wahnsinn. Wir haben die ganze Zeit nur über seine Erlebnisse, beispielsweise im Iran oder Georgien gequatscht und fast vergessen, dass wir schon eine gefühlte Ewigkeit laufen.

Reini, du nimmst seit 2014 ohne Unterbrechung im Catcher Car die Verfolgung der Läufer auf, legst eine halbe Stunde nach dem Startschuss mit 14km/h los, steigerst das Tempo kontinuierlich und erreichst nach viereinhalb Stunden deine erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 34 km/h. Kannst du dich nach all den Jahren und Kilometern noch an deinen allerersten Catch erinnern?
Ja kann ich! Genau diese Momente vergisst man nicht, weil sie symptomatisch für diesen Lauf sind. Es war eine etwas voluminösere Dame, die in Begleitung ihrer Tochter die Stecke mit Walking Sticks angegangen ist. Sehr gemütlich, sehr entschleunigt, strahlende Augen. Genau das taugt mir, einerseits die Leute, für die das Dabeisein und Mitmachen im Vordergrund steht und andererseits die austrainierten Profis, die auf Geschwindigkeit und Weite aus sind. Alle haben Bewegung im Sinn, das verbindet und schafft ein ganz spezielles Flair.

Wenn dich die Läufer sehen, überwiegt dann die Erleichterung eingeholt zu werden oder der Ansporn, dich weiter auf Distanz zu halten?
Sowohl als auch, die Palette reicht von bis. Manche sind froh, andere ärgern sich wenn wir kommen und beginnen im positiven Sinne zu Fluchen.

Auf welche verbalen Anfeuerungen und Aufmunterungen greifst du am liebsten zurück?
Auf die persönliche. Bei uns fährt sehr viel Technik mit, wir können die Startnummern elektronisch zuordnen. Sobald wir in Reichweite sind, rufen und feuern wir die Läufer mit ihrem Vornamen an. Die Reaktionen sind super, viele sind erstaunt, es steckt viel Emotion dahinter.

Jeder Kilometer macht Sinn und zählt, aber welche Leistung hat dich am meisten beeindruckt?
Das ist schwer zu sagen. Auf der einen Seite ist es unglaublich, wie die Profis ihr Tempo über Stunden derart hoch halten und 80, 90 Kilometer zurücklegen. Auf der anderen Seite fragst du dich bei vielen, wie sie es überhaupt bis Kilometer 10, 15 schaffen konnten. Viele erwecken den Eindruck nicht übermäßig oft Bewegung zu machen und wachsen genauso über sich hinaus, wie durchtrainierte Vollblutsportler. Das fasziniert mich.

Nach deiner paralympischen Karriere im Monoski, hast du dir unter anderem als Unternehmer für Mode und pfeilschneller Rallyepilot einen Namen gemacht. Wie schwierig ist es, beim Wings for Life World Run den Fuß vom Gas zu lassen und was erwartest du dir von der Premiere des Audi e-tron?
Es klingt langweiliger, als es ist. Wir überholen zwischen Kilometer 7 und 23 zwei Drittel des gesamten Starterfeldes, also so um die 10.000 Läufer. Da ist unglaublich viel los, du fieberst natürlich mit, musst aber aufmerksam bleiben, schließlich willst du ja niemanden behindern oder gar anfahren. Ab Kilometer 30 wird es dann ruhiger, trotzdem musst du immer konzentriert bleiben und die Geschwindigkeit punktgenau einhalten. Und auf den Audi e-tron freue ich mich sehr! Vor allem, weil die lästigen Motorgeräusche wegfallen und viel mehr Ruhe und Entspannung beim Fahren dabei sein werden. Und bei einer Reichweite von 417 Kilometern (nach WLTP) brauche ich mir keine Sorgen machen, nicht alle zu erwischen (lacht).

Senad, was waren bei eurer letzten Begegnung deine ersten Gedanken und Worte, als dich das Catcher Car im Visier hatte?
Shit, der Reini kommt, wir müssen Gas geben - und das haben wir dann auch getan. Wir sind sinnentleert losgesprintet und wenig später eingebrochen, eh klar. (lacht)

Glaubst du, dass du deine persönliche Bestmarke von 22 Kilometern überbieten kannst und wen hast du dir heuer als Tempomacher ausgesucht?
Ich hoffe es und wenn es nur ein paar Meter sind. Ich werde wieder mit dem Red Bull Skydive Team gemeinsame Sache machen. Die Burschen haben einen super Schmäh und den richtigen Ehrgeiz, orientieren werden wir uns am Halbmarathon-Pacemaker.

Der Lauf startet am 5. Mai, wie sieht die Vorbereitung im Monat zuvor aus?
Klar werde ich noch ein paar Kilometer in den Laufschuhen runterreißen, aber die Basis passt ohnehin. Als Profi-Sportler ist es mein Job voll im Saft zu sein. Von daher wird es keine spezielle Vorbereitung geben.

Fotocredit: Markus Berger / Red Bull Content Pool