Spiele der Herzen

Ein Interview mit Anna Veith über die Special Olympics.

Den "Herzschlag für die Welt" spürt man vom 14. bis 25. März 2017 in der Steiermark. für die Special Olympics World Winter Games kommen 3.000 Teilnehmer aus 110 Nationen nach Schladming, Graz und in die Ramsau, um mit ihren persönlichen Höchstleistungen um die Medaillen zu kämpfen. Special Olympics Botschafterin Anna Veith ist bereits seit den Pre-Games 2016 vom Einsatz der Athleten begeistert.

Der Anfang der Special Olympics Bewegung geht auf Eunice Kennedy Shriver, die Schwester von J. F. Kennedy, zurück. Sie hatte selbst eine Schwester mit mentaler Behinderung, Rosemary Kennedy. Dass körperliche Aktivität diesen ganz besonderen Menschen ein bedeutendes Mehr an Lebensqualität vermittelt, bemerkte Eunice sehr schnell, und so organisierte sie erstmals 1962 Sommercamps für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. 1968 fanden die ersten Internationalen Sommerspiele von Special Olympics mit gerade mal 1.000 Sportlern aus 2 Ländern (USA, Kanada) statt. Mittlerweile erreicht Special Olympics 4,2 Millionen Athleten mit mentaler Beeinträchtigung in 170 Ländern. Special Olympics ist vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannt und darf als einzige Organisation die Bezeichnung „Olympics“ weltweit nutzen.

Im Jahr 1985 nahmen erstmalig auch drei Athleten aus Österreich an SO-Weltspielen teil. Heute werden über Behindertenorganisationen, Schulen und Sportvereine ca. 20.000 Sportler in Österreich erreicht. Ehrenpräsident von Special Olympics Österreich ist Arnold Schwarzenegger, der sich auch in den USA für Special Olympics engagiert. Zum zweiten Mal nach 1993 werden die Special Olympics World Winter Games in Österreich ausgetragen, und zwar vom 14. bis 25. März 2017 in Schladming, Graz und in der Ramsau. „Herzschlag für die Welt“ lautet das Motto und diesen wird man auf jeden Fall spüren, wenn 3.000 Sportler aus 110 Nationen ihr Bestes geben. Porsche Austria ist mit der Marke Audi Hauptsponsor und Automobilpartner dieser größten sportlich-sozialen Veranstaltung der Welt, womit das Audi Wintersport-Engagement um die „Spiele der Herzen“ komplettiert wird.

Anna Veith, Marcel Hirscher, Hans Knauss und viele weitere Persönlichkeiten sind Botschafter der Special Olympics World Winter Games 2017 und waren auch bei der Eröffnungsfeier der Pre-Games im Jänner 2016 in Schladming dabei. Mit olympischem Feuer und dem Hissen der olympischen Flagge wurden die Teilnehmer auf die bevorstehenden Winterspiele eingestimmt. Für jeden einzelnen Sportler steht das Erreichen der persönlichen Bestleistung und natürlich auch der Sieg im Fokus. Anna Veith sprach gemeinsam mit der Special-Olympics Teilnehmerin Teresa Breuer die Eidesformel: „Lasst mich gewinnen. Aber wenn ich nicht gewinnen kann, dann lasst es mich mutig versuchen.“

Martin Raith: Wie bist du dazu gekommen, Profiskifahrerin zu werden?
Anna Veith: Ich hab‘ schon sehr früh als Kind mit etwa zweieinhalbJahren Ski fahren gelernt. Ich war von Anfang an in einer Skischule, wo ich immer trainierte und auch sehr viele Freunde hatte. Ich bin einfach schon immer gerne Ski gefahren, und daraus hat sich im Laufe der Zeit mehr entwickelt. Irgendwann habe ich dann realisiert, dass das eigentlich auch ein Beruf ist, und dann wollte ich wissen, ob ich das auch schaffe.

Wann bist du das erste Mal bei einem Weltcup mitgefahren und wie oft hast du den Weltcup gewonnen?
Ich bin mit 17 das erste Mal bei einem Weltcup mitgefahren, was insgesamt neun Saisonen ergibt, da ich beim letzten Weltcup verletzungsbedingt ausgefallen bin. Den Gesamtweltcup habe ich schon zweimal und insgesamt 14 Weltcuprennen gewonnen.

Wie beurteilst du die Atmosphäre im österreichischen Damenteam?
Die Atmosphäre im Team ist bis jetzt – in der gesamten Zeit, in der ich dabei war - immer sehr angenehm gewesen. Als ich neu dazugekommen bin, in der ersten Saison, war es schon sehr nett, weil ich als junge Athletin sehr gut aufgenommen wurde, und der Zusammenhalt sehr gut war. In der letzten Zeit, seit ich schon zu den etwas Etablierteren gehöre, bilden sich schon ab und zu auch kleinere Grüppchen, das ist aber normal. Es ist auch sehr wichtig, dass, wenn neue Athletinnen dazukommen, die Dynamik des Teams beibehalten wird und dass man sich gegenseitig im Sport weiterbringt und weiterpusht. Trotzdem wird zum Beispiel beim gemeinsamen Abendessen auf eine gute Stimmung Wert gelegt, um nicht unnötig Energie zu verschwenden und damit wir uns weiterhin gut verstehen. Bis jetzt war das in unserem Team auch immer der Fall.

Wie bist du dazu gekommen, Special Olympics Botschafterin zu werden?
Das hängt eigentlich damit zusammen, dass ich im letzten Winter bei den Special Olympics Pre-Games in Schladming den Eid gelesen habe. Ich bin im Zuge dieser Veranstaltung gefragt worden, ob ich Special Olympics Botschafterin werden möchte. Da ich es extrem cool finde, dass es solche Veranstaltungen gibt und dass sehr viele Leute dabei mithelfen, bin ich davon überzeugt, dass solche Veranstaltungen in den Medien gepusht werden müssen. Da wir als Profisportler eine sehr große mediale Aufmerksamkeit bekommen, ergänzt es sich ideal, dass wir das unterstützen und die Botschaft verbreiten, dass Special Olympics eine sehr wichtige und großartige Organisation ist.

Wann hast du Hermann Kröll, den Präsidenten von Special Olympics Österreich, kennen gelernt?
Ich habe ihn eigentlich erst besser kennen gelernt, als er mich gefragt hat, ob ich den olympischen Eid sprechen möchte. Er war zwar vorher schon des Öfteren in unserem Restaurant, welches zum arx Hotel meines Mannes gehört, zu Gast, aber zu diesem Zeitpunkt habe ich ihn noch nicht so gut gekannt. Er hat mich dann bei einem seiner Besuche darauf angesprochen, ob ich nicht Lust dazu hätte, den Eid zu sprechen. Dadurch habe ich ihn jetzt schon einige Male getroffen und auch besser kennen gelernt.

Wie war es für dich, den olympischen Eid fur Special Olympics bei der Eröffnungsfeier zu sprechen?
Es war echt cool. Ich hatte noch nie zuvor die Möglichkeit, so etwas zu machen. Es war das erste Mal, dass ich einen Eid sprechen durfte, daher war ich auch dementsprechend nervös, weil sehr viele Leute bei der Veranstaltung zu Gast waren. Es war auch echt super, dass drei Athleten, die bei den Pre-Games mitmachten, gemeinsam mit mir den Eid gesprochen haben. Ich musste also nicht alleine auf der Bühne stehen, und wir haben einander ganz gut ergänzt. Es hat echt viel Spaß gemacht, so eine Veranstaltung miterleben zu dürfen und den Eid zu sprechen.

Danke, Anna, für das nette Gespräch.

Martin Reith

Martin Reith

Der 25-jährige Grazer ist bereits seit einigen Jahren als freiberuflicher Journalist tätig, u. a. für das Medium „Initiativen“ der Steirischen Vereinigung für Menschen mit Behinderung. In seinen Texten setzt er sich bevorzugt mit den Themen Behindertensport sowie mit Menschen, die sich für behinderte Menschen engagieren, auseinander. Martin Raith leidet an spastischer Tetraplegie, sitzt deshalb im Rollstuhl und ist motorisch sehr stark eingeschränkt. Seit 2011 ist Martin aktiv bei vielen Special Olympics Projekten dabei.