„Juve wäre wieder dran!“

Alexander Zickler im Interview.

Champions-League-Sieger Alexander Zickler über den Showdown in der Königsklasse: Was ihn an Juventus fasziniert und wo Real Madrid verwundbar ist. Das mögliche Ablaufdatum von Cristiano Ronaldo und was Gianluigi Buffon mit Olli Kahn verbindet. Plus: Zicklers wichtiger Tipp für die Youth-League-Helden von Red Bull Salzburg.

Du hast 2001 in Mailand mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Wie lassen sich die Glücksgefühle nach dem finalen Sieg im Elferkrimi gegen Valencia am besten beschreiben? 
Zwei Jahre vorher musste ich die negativen Seiten eines Finales miterleben. Die Niederlage 1999 gegen Manchester United war ja alles andere als normal, sondern Wahnsinn. Deswegen erinnere ich mich natürlich lieber an das Finale 2001. Valencia hatte im Jahr davor das Endspiel gegen Real klar mit 0:3 verloren, es standen sich also zwei Trauma-Mannschaften gegenüber. Noch dazu war es 25 Jahre her, dass Bayern zuletzt triumphiert hatte. Nachdem Oliver Kahn den letzten Elfmeter gehalten hatte, ist ein enormer Druck von uns abgefallen. Die Freude, die Emotionen, dieses Glücksgefühl, den Titel geholt zu haben und die beste Mannschaft Europas zu sein, das kann man gar nicht beschreiben. Das sind Momente, an die du dich ein Leben lang erinnern wirst.

Werden gestandene Profis in solchen Momenten wieder zu Kindern? Sind die Millionengagen und Titelprämien, die heute im Profi-Fußball bezahlt werden, dann plötzlich nebensächlich? 
Auf jeden Fall! Man beginnt als Kind ja Fußball zu spielen, weil es Spaß macht und zweitens, weil man gewinnen will. Ich bin siebenmal deutscher Meister geworden, da stumpfst du auch nach dem sechsten Titel nicht ab. Diese kindliche Freude wird nie zur Gewohnheit. In diesen Momenten denkst du nicht an irgendwelche wirtschaftlichen Dinge.

In Cardiff matchen sich am Samstag Real Madrid und Juventus Turin um den Sieg in der Königsklasse. Sind das wirklich die aktuell besten Teams Europas? 
Beide Mannschaften haben es sich auf jeden Fall verdient im Finale zu stehen. Das ist ein Endspiel auf Augenhöhe, wo man sich schwer tut jemand zu favorisieren. Beide Teams haben ihre Stärken, ich bin echt gespannt, wer am Ende als Sieger vom Platz geht.

Was spricht für Juventus, was für Real? 
Ich finde, Juve wäre wieder einmal dran den Titel zu holen. Ich würde es ihnen gönnen. Für die Italiener spricht ihre Spielanlage. Diese Ordnung in der Defensive fasziniert mich immer wieder. Das kannst du nicht von heute auf morgen lernen, das wurde über die Jahre systematisch aufgebaut. Jeder weiß genau, was er zu tun hat – egal, ob sie mit einer Dreier-, Vierer- oder Fünferkette spielen. Juve hat aber auch Qualität im Spiel nach vorne. Nicht nur dank Dybala, der über eine überragende Technik verfügt. Dani Alves, Higuain und Mandzukic bringen verschiedenste Qualitäten mit. An Mandzukic sieht man auch wie sich bei Juve jeder in den Dienst der Mannschaft stellt. In seiner Zeit bei den Bayern hätte ich mir nie vorstellen können, dass er einmal so extrem fleißig nach hinten mitarbeitet.

Real hat die besseren Einzelspieler. Kroos und Modric bestimmen das Tempo des Spiels. Die beiden haben eine unglaubliche Technik und Übersicht, sie beherrschen den tödlichen Pass. Und vorne gibt’s mit Ronaldo, Benzema und Isco ausschließlich Spieler von Top-Qualität. Reals Nachteil könnte sein, dass der eine oder andere mit der Rückwärtsbewegung seine Probleme hat. Ronaldo, Benzema oder Linksverteidiger Marcelo, der extrem viel für das Spiel nach vorne macht. Auf seiner Seite könnten sich für Juve bei Ballgewinn freie Räume ergeben. Insgesamt muss man sagen: Beide Mannschaften verfügen über brutale Stärken, beide haben kaum Schwächen. Kleinigkeiten werden das Match entscheiden.

Du hast in deiner Karriere in 51 Spielen in der Champions League 5 Tore erzielt. Cristiano Ronaldo hält als Rekordtorjäger aktuell bei 103 Treffern. Was macht das Phänomen CR7 aus? 
Was mich an Spielern wie Messi, Lewandowski und Ronaldo fasziniert, ist ihre Konstanz. Sie bringen seit vielen Jahren außergewöhnliche Leistungen. Ronaldo ist ein kompletter Spieler: Er hat enorme Geschwindigkeit, ist stark im Duell 1 gegen 1 und weiß genau wo das Tor steht. Er hat eine sehr gute Technik - mit dem Fuß und dem Kopf. Und vor allem:

Er schaut extrem auf seinen Körper. Dabei geht’s nicht ums Aussehen, sondern bei den vielen Spielen, die er übers Jahr hat, weiß er ganz genau, wann er eine Erholung braucht. Klar, er ist nicht mehr der Jüngste, aber immer noch in einem guten Alter. Und wenn du über so viele Jahre Top-Leistungen bringst, jedes Jahr 60 Spiele absolvierst, geht das nicht spurlos an dir vorüber. Da brauchst du deine Auszeiten und die beste Pflege für deinen Körper.

Ronaldo ist jetzt 32 – wie lange kann er sein Niveau halten? 
Ich hab bis 37 gespielt, aber meine Ausgangslage war ein bißchen anders. Wenn ich meine vielen Verletzungspausen hochrechne, komme ich wahrscheinlich auf vier Jahre, in denen ich nicht Fußball gespielt habe. Ronaldo ist Fußballer durch und durch, er wird so lange spielen wie es sein Körper zulässt. Ob das zwei, drei oder vier Jahre sind, wird man sehen. Wichtig ist, dass er von schweren Verletzungen verschont bleibt.

Du hast lange mit Oliver Kahn zusammengespielt. Gibt’s Parallelen mit Juve-Keeper Gianluigi Buffon, der mit 39 Jahren nach seinem ersten Titel in der Champions League greift? 
Was beide verbindet ist die Einstellung zum Beruf - beide sind extrem professionell. Buffon dirigiert das Spiel von hinten und strahlt eine extreme Ruhe aus wenn Juve unter Druck kommt. Bei Olli war’s nicht anders, der war fanatisch. Im Spiel sowieso - aber auch im Training. Für ihn standen immer 100 Prozent an der Tagesordnung. Genau das hat er auch von seinen Mitspielern eingefordert. Wenn wir beim Torschusstraining rumgeflachst haben, konnte es schon vorkommen, dass er aus dem Sechzehner rauskam und einen umgegrätscht hat. Damit alle wieder mit der nötigen Spannung bei der Sache sind. Bei Kahn oder Buffon weißt du als Mitspieler: Hinten steht einer drin, der dir das Match gewinnen kann. Das sind Torhüter für die unhaltbaren Bälle.

Als Co-Trainer von Liefering kennst du  die Youth-League-Helden von Red Bull Salzburg von der täglichen Arbeit. Worauf muss der Fokus der Talente jetzt liegen, um den Durchbruch schaffen zu können? 
Am allerwichtigsten: Sie müssen weiter hundert Prozent geben! Ich hab ein bißchen das Gefühl, dass sich eine gewisse Zufriedenheit einstellt. Der Sieg in der Youth League ist ein super Erfolg, den haben sich die Jungs echt verdient, sie waren die beste Mannschaft des Turniers. Aber sie müssen wissen: Das ist erst der Anfang, sie haben es noch lange nicht geschafft. Wir haben eine tolle Akademie, dazu mit Liefering die perfekte Plattform für junge Spieler, um erste Erfahrungen im Profifußball zu sammeln. Jetzt heißt es weiter jeden Tag für den Fußball zu leben. Nicht jeder wird den Durchbruch schaffen. Der eine oder andere ist diesbezüglich vielleicht bei 90 und nicht bei 100 Prozent. Genau das kann den Unterschied ausmachen - schaff ich es ganz nach oben oder nicht.

Mit Amadou Haidara, Igor und Hannes Wolf werden drei Youth-League-Sieger in den Kader von Red Bull Salzburg befördert. Der richtige Schritt für die drei Hochbegabten? 
Sie werden in der Bundesliga den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung machen. Dort warten stärkere Gegner, das Tempo ist noch einmal höher. Haidara ist ein sehr interessanter Spieler, er hat diese gewisse Lockerheit und ist ein echter Winnertyp. Er erinnert mich stark an Naby Keita. Igor ist ein moderner Innenverteidiger, Hannes Wolf ein Super-Fußballer, der über extremes Tempo und eine gute Übersicht verfügt. Klar muss er in dem einen oder anderen Bereich noch an sich arbeiten. Zu sehen, wie es bei den Profis abgeht, wird ihm gut tun.

Du absolvierst gerade den Trainerkurs für die UEFA-Pro-Lizenz. Wie sehr reizt es dich, einmal eine Mannschaft in der Champions League zu coachen? 
Im Zuge der UEFA-Pro-Lizenz hab ich eine Woche bei RB Leipzig hospitiert. Diese Woche im Dezember war für mich perfekt und hat mir die Augen geöffnet. Im Oktober werde ich den Kurs hoffentlich positiv abschließen. Der Wille, Trainer zu sein, ist auf alle Fälle in mir. Wo der Weg dann hingeht, wird man sehen.

Welches der Audi Modelle fährst du am liebsten und warum? 
Meine Frau fährt einen Q7, ich einen A6 Avant – beides perfekte Autos für uns. Der A6 ist ein eher sportliches und trotzdem geräumiges Auto. Mit vier Kindern ist das von Vorteil. Wenn wir alle zusammen unterwegs sind, nehmen wir den Q7. Oben die Dachbox drauf, so geht’s ab in den Urlaub. Das ist Luxus pur vom Platz her, vom Fahren sowieso. Heuer geht’s in die Gegend von Bari, das sind 1300 Km. Da freue ich mich drauf, da will ich gar nicht fliegen.

Welcher Sound beschleunigt dich? 
Für den Sound ist meine Tochter zuständig - sie ist 15. Ich hör also hauptsächlich aktuelle Musik. Das kann Pop sein - auch deutschsprachiger – oder diverse Chillout-Songs – alles querbeet.

Hast du eine Lieblingsstrecke? 
Diesbezüglich geht’s eher Richtung Deutschland, weil dort kannst du so ein Auto auch mal richtig ausfahren. Zum Beispiel wenn ich meine Eltern in Dresden besuche.

Deine wildeste Fahrt?
Vor zirka 15 Jahren: Von Nürnberg Richtung München – damals mit einem RS6, den ich zu FC-Bayern-Zeiten gefahren bin. Nach dem 120er-Limit bei Ingolstadt hab ich ein bißchen Gas gegeben. War ein heißer Ritt.

Alexander Zickler

Alexander Zickler

Alexander Zickler wurde am 28. Februar 1974 in Bad Salzungen geboren. Seine Leidenschaft gilt voll und ganz dem Fußballsport. Zu seinen größten Erfolgen zählen der Champions League Titel im Jahr 2001, zahlreiche Meistertitel in der deutschen und österreichischen Bundesliga sowie der mehrfache Titel als DFB Pokal Sieger. Aktuell ist Alexander als Co-Trainer beim FC Liefering im Einsatz.